Wettbewerbsphasen

Der von der Europäischen Zentralbank (EZB) für die Gestaltung ihres neuen Standorts ausgelobte internationale städte- und hochbauliche Wettbewerb umfasste mehrere Phasen. Während einer Vorauswahlphase wurden 80 Bewerber für die Teilnahme an der ersten Phase ausgewählt. Anhand der eingereichten Entwürfe nahm eine Jury 12 Bewerber in die engere Auswahl. Diese wurden aufgefordert, ihre Entwürfe in einer zweiten Phase weiterzuentwickeln. Aus diesen 12 Entwürfen wurden sodann die drei besten ausgewählt. Nach einer Überarbeitungsphase kürte der EZB-Rat den Gewinner.

Vorauswahlphase

In der Wettbewerbsbekanntmachung wurden Architekten aus aller Welt eingeladen, sich bis zum 20. Januar 2003 zu bewerben. Es gingen etwa 300 Bewerbungen ein, die von einem Vorauswahlausschuss anhand der in der Wettbewerbsbekanntmachung dargelegten Kriterien bewertet wurden. Der Ausschuss, bestehend aus fünf Vertretern der EZB, die von Architekten aus der internationalen Jury unterstützt wurden, wählte 80 Architekten (70 etablierte und 10 talentierte junge Architekten) für die erste Wettbewerbsphase aus.

Relevante Informationen und Downloads

  • Europäische Zentralbank lobt internationalen Architektenwettbewerb aus Pressemitteilung
  • Auswahl von 80 Architekten für die erste Phase des Architektenwettbewerbs der EZB Pressemitteilung

Erste Phase

Die während der Vorauswahlphase in die engere Auswahl genommenen 80 Architekten wurden aufgefordert, bis zum 7. Juli 2003 im Rahmen der ersten Wettbewerbsphase anonyme Entwürfe vorzulegen. Die Entwürfe sollten ein erstes architektonisches Konzept für den neuen Standort der EZB und Pläne für die städtebauliche Entwicklung des Geländes enthalten. Insgesamt wurden 71 Gestaltungsentwürfe eingereicht, die sodann von einer internationalen Jury bewertet wurden.

 

Bewertungskriterien

Die Vorschläge wurden anhand folgender Kriterien bewertet:

  • gesamte städtebauliche Planung, Architektur und Landschaftsgestaltung;
  • Einhaltung der wichtigsten Merkmale des Funktions- und Raumprogramms einschließlich Erweiterungsstufen;
  • Realisierbarkeit des Energie-/Umweltkonzepts und Einhaltung der wichtigsten Elemente der technischen Anforderungen der EZB;
  • Einhaltung der relevanten Vorschriften, insbesondere in den Bereichen Bauordnungs- und Bauplanungsrecht.

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Zweite Phase

Nach der Bewertung der während der ersten Wettbewerbsphase eingereichten Entwürfe wurden 12 Bewerber in die engere Auswahl genommen und aufgefordert, für die zweite Phase einen detaillierteren architektonischen Entwurf vorzulegen.

Bewertungskriterien

Die Vorschläge wurden anhand folgender Kriterien bewertet:

  1. Gesamte städtebauliche Planung, Architektur und Landschaftsgestaltung:
    • architektonischer Entwurf und räumlicher Gesamteindruck;
    • Einbindung in den städtebaulichen und landschaftlichen Kontext;
    • Einbindung denkmalgeschützter Bauwerke;
    • Funktion und Qualität der Landschaftsgestaltung;
    • Originalität, Ideenreichtum und Innovationskraft des Entwurfskonzepts.
  2. Einhaltung der wichtigsten Merkmale des Funktions- und Raumprogramms einschließlich Erweiterungsstufen:
    • Erfüllung des Raumprogramms;
    • funktionale Organisation;
    • Raum- und Gestaltungsqualitäten;
    • Sicherheitszonierung;
    • interne Wegeführung;
    • Erschließung.
  3. Realisierbarkeit des Energie-/Umweltkonzepts und Einhaltung der wichtigsten Elemente der technischen Anforderungen der EZB:
    • Investitions- und Betriebskosten;
    • Energie- und Technikonzept;
    • wirtschaftliche Machbarkeit.
  4. Einhaltung der relevanten Vorschriften, insbesondere in den Bereichen Bauordnungs- und Bauplanungsrecht.

Gestaltungsentwürfe

101 Murphy/Jahn, Inc.

Chicago, Vereinigte Staaten Helmut Jahn

Der Entwurf sieht zwei 35-geschossige miteinander verbundene halbkreisförmige Türme vor, die das Zentrum in den Südosten der Großmarkthalle legen. Die Türme stellen ein vertikales Gegengewicht zur horizontalen Fläche der Großmarkthalle dar. Sie öffnen sich in Richtung Auffahrtsstraße und zum Main hin, wodurch bestmögliche Sicht gewährleistet wird. Die Großmarkthalle bleibt erhalten und ist auch weiterhin von der Sonnemannstraße aus vollständig zu sehen. Der Entwurf der zweiten Phase unterscheidet sich erheblich von dem der ersten Phase; dieser sah zwei parallele Hochhausscheiben vor, die über die Großmarkthalle auskragten und diese mit dem Main verbanden, ohne dem historischen Gebäude jedoch die Eigenständigkeit zu nehmen.
107 tp bennett

London, Vereinigtes Königreich Richard Beastall, Christopher Bennie, D. Granville Smith, William Soper

Dieser Entwurf nutzt konstruktive Maßnahmen und innovative energetische Lösungen, um so ein geeignetes und angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen. Die Landschaft ist in das Gesamtkonzept integriert: Formen und Neigungen der niedrigen Gebäude sind so konzipiert, dass verschiedene interessante Räume entstehen. Die Module für eine mögliche künftige Erweiterung – zwei weitere, unterschiedlich hohe Türme im Südwesten – sind gut in dieses Konzept eingebunden. Die Großmarkthalle bleibt erhalten.
120 Barkow Leibinger Architekten

Berlin, Deutschland Regine Leibinger, Frank Barkow

Der Entwurf sieht eine 29-geschossige Hochhausscheibe im Süden der Großmarkthalle vor. Diese Scheibe mit Einschnitten, sogenannten „Skycuts“, die parallel zur Großmarkthalle verläuft, ist sehr eindrucksvoll, ohne jedoch die Großmarkthalle zu erdrücken. Durch die Freiräume zwischen den einzelnen Gebäudekomponenten kommt es zu einer Interaktion zwischen dem massiven Gebäude und der Umgebung; diese offenen Bereiche sind als Gärten angelegt, die für die EU‑Mitgliedstaaten stehen. Die Großmarkthalle bleibt erhalten. Von der Gestaltung her scheint dieser Entwurf insgesamt gesehen vielversprechend.

124 Schneider + Schumacher Architekturgesellschaft mbH

Frankfurt am Main, Deutschland Till Schneider, Michael Schumacher

Das neue Gebäude, ein 25-geschossiger zylindrischer Turm, steht im Dialog mit der Großmarkthalle, die weitestgehend in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten bleiben soll. Für eine eventuelle künftige Erweiterung ist eine Aufstockung des zunächst errichteten Gebäudes um weitere Geschosse vorgesehen. Im Turm selbst gibt es interessant gestaltete Gärten, die für qualitativ hochwertige Arbeitsplätze und Aufenthaltsbereiche sorgen. Dank der Kompaktheit des Zylinders ist ein Großteil des Grundstücks nicht bebaut, und weite Bereiche können als Grünflächen genutzt werden.

133 Estudio Lamela Arquitectos
Madrid, Spanien Carlos Lamela de Vargas Der Neubau liegt zwischen der Großmarkthalle und der Sonnemannstraße und stellt so eine Verbindung zwischen dem Sitz der EZB und der unmittelbaren Umgebung her. Auch wenn die Nordfassade der Großmarkthalle von der Sonnemannstraße etwas abgeschirmt wird, so wahrt das Konzept dennoch „Geschichte, bestehende Kultur und das kollektive Gedächtnis“.
140 ASP Schweger Assoziierte

Berlin, Deutschland

Die schwebende „Skybridge“ bildet einen Kontrast zur Großmarkthalle, ohne dieses historische Gebäude jedoch zu erdrücken. Die Großmarkthalle als solche bleibt erhalten, auch wenn ihr Dach durch eine Glaskonstruktion ersetzt wird. Dieses innovative Konzept, in dem die vertikalen Gebäude durch einen Eingangsplatz und die erhöhte Ebene miteinander verbunden sind, wirkt beeindruckend. Als Modul für eine eventuelle künftige Erweiterung ist ein zusätzlicher Turm vorgesehen.

145 Coop Himmelb(l)au

Wien, Österreich

Dieser Entwurf kombiniert Alt und Neu geschickt in einer skulpturalen Form. Das Gesamtkonzept besteht aus drei Grundelementen: der Großmarkthalle, einem „Groundscraper“ und polygonalen Doppel-Bürotürmen. Im Entwurfskonzept für die erste Phase ragte der „Groundscraper“ über die Uferpromenade hinaus und durchschnitt die Großmarkthalle. Im Entwurf der zweiten Phase verläuft er parallel zur Großmarkthalle und lässt das historische Gebäude intakt. Die Großmarkthalle dient als Haupteingang der EZB. Hier sind die öffentlichen Bereiche untergebracht. Durch die Konferenzräume im „Groundscraper“ ist die Großmarkthalle mit den zwei Bürotürmen verbunden. Der Entwurf ist prägnant und funktional.

152 Frank O. Gehry Associates

Los Angeles, Vereinigte Staaten Frank O. Gehry

Die Jury befand, dass das „Dorf“-Konzept für eine Ansammlung von kleineren Gebäuden entlang dem Main eine originelle Antwort auf die gestellten Anforderungen ist. Ein transparentes Dach überspannt einen Großteil des Geländes und stellt eine Art „europäischen Schirm“ dar. Halbhohe Gebäude bilden oberhalb des Dachs eine belebte Skyline. Die Großmarkthalle stellt die öffentliche Fassade der EZB dar und wird als „Objet trouvé“ behandelt, das unverändert inmitten von Wasserbecken und großen transparenten Dächern steht, die sanft zum historischen Gebäude hin abfallen.

157 54f architekten/T. R. Hamzah & Yeang

Darmstadt, Deutschland / Selangor, Malaysia

Bei diesem Entwurf werden die städtebaulichen Achsen auf dem Grundstück fortgeführt und zu verschiedenen Landschaftsformen und architektonischen Elementen weiterentwickelt. Zwei unterschiedliche Hochhausscheiben werden südlich der Großmarkthalle errichtet und sollen „die bestehende Skyline der Stadt ergänzen“. Die Freiflächen sind in hohem Maße ausgestaltet. Die qualitativ hochwertigen Arbeitsplätze wurden unter Berücksichtigung von Energie- und Umweltaspekten geplant. Bei diesem Entwurfskonzept wird das Grundstück gut genutzt, und die Großmarkthalle wird durch die Proportionen der neuen Gebäude nicht erdrückt. Die Integration in die unmittelbare Umgebung ist gelungen, und viele der Anforderungen des Raumprogramms werden erfüllt.

159 Morphisis

Santa Monica, Vereinigte Staaten Thom Mayne

Durch die dynamische Verbindung zwischen den Türmen und der Großmarkthalle fügt sich der gesamte Komplex gut in die Umgebung ein. Die vier skulptural geformten, unterschiedlich hohen Hochhausscheiben sind im rechten Winkel mit der Südseite der Großmarkthalle verbunden. Sie stehen auf einem begrünten Plateau, wodurch ein „Campus integrierter Teile“ entsteht. Das Plateau und die Wasserflächen trennen das Grundstück von der städtischen Umgebung. Dieses Konzept basiert auf einer interessanten Gestaltungsidee und enthält viele Aspekte des Funktionsprogramms.

163 Enric Miralles Benedetta Tagliabue

Barcelona, Spanien Benedetta Tagliabue

Die drei südlich der Großmarkthalle gelegenen V-förmigen Bürogebäude, die eine funktionale Einheit bilden, sind auf den unteren Ebenen miteinander verbunden. Diesem Entwurf liegt die Idee der „Bank als Marktplatz“ zugrunde. Die Grüngürtel verlaufen parallel zu den Gebäuden auf dem Grundstück. In Struktur und Erscheinung bleibt die Großmarkthalle vollständig erhalten. Das Konzept basiert auf einem umfassenden Ansatz, dem es gelingt, Landschaft, Großmarkthalle und die direkte Umgebung zu einer Einheit zu verbinden.

168 KHR arktekter AS Virum

Dänemark Peter Leuchsenring

Diese Flachdachkonstruktion wirkt zugleich bescheiden und anspruchsvoll und stellt eine Verbindung zwischen den neuen Gebäuden und der Großmarkthalle her. Die Hülle aus einem Glasdach und einer Glasfassade, der „European Envelope“, überspannt die Großmarkthalle sowie die niedrigen Bürogebäude, der neue Standort der EZB bildet ein Gegengewicht zu den Hochhäusern des Frankfurter Bankenviertels. Das Landschaftskonzept lässt viele Verbindungen zwischen Außen- und Innenräumen zu und öffnet den Komplex zum Main hin. Der Entwurf verkörpert Transparenz „ohne Grenzen zwischen innen und außen“.

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Preisträger

Im Februar 2004 wählte eine internationale Jury aus den in der zweiten Wettbewerbsphase eingereichten Entwürfen drei Preisträger aus.

Die drei Preisträger

Am 13. Februar 2004 wählte eine internationale Jury unter Vorsitz des EZB-Vizepräsidenten Lucas Papademos die drei Preisträger des internationalen städte- und hochbaulichen Wettbewerbs für den Neubau der EZB in Frankfurt am Main aus. Damit war die zweite und letzte Phase des Architekturwettbewerbs abgeschlossen. Die Preise wurden wie folgt vergeben:

1. Preis: Coop Himmelb(l)au, Wien, Österreich

Coop Himmelblau

Dieser Entwurf kombiniert Alt und Neu geschickt in einer skulpturalen Form. Das Gesamtkonzept besteht aus drei Grundelementen: der Großmarkthalle, einem „Groundscraper“ und polygonalen Doppel-Bürotürmen. Im Entwurfskonzept für die erste Phase ragte der „Groundscraper“ über die Uferpromenade hinaus und durchschnitt die Großmarkthalle. Im Entwurf der zweiten Phase verläuft er parallel zur Großmarkthalle und lässt das historische Gebäude intakt. Die Großmarkthalle dient als Haupteingang der EZB. Hier sind die öffentlichen Bereiche untergebracht. Durch die Konferenzräume im „Groundscraper“ ist die Großmarkthalle mit den zwei Bürotürmen verbunden. Der Entwurf ist prägnant und funktional.

2. Preis: ASP Schweger Assoziierte, Berlin, Deutschland

ASP Schweger Assoziierte

Die schwebende „Skybridge“ bildet einen Kontrast zur Großmarkthalle, ohne dieses historische Gebäude jedoch zu erdrücken. Die Großmarkthalle als solche bleibt erhalten, auch wenn ihr Dach durch eine Glaskonstruktion ersetzt wird. Dieses innovative Konzept, in dem die vertikalen Gebäude durch einen Eingangsplatz und die erhöhte Ebene miteinander verbunden sind, wirkt beeindruckend. Als Modul für eine eventuelle künftige Erweiterung ist ein zusätzlicher Turm vorgesehen.

3. Preis: 54f architekten/T. R. Hamzah & Yeang, Darmstadt, Deutschland / Selangor, Malaysia

54f architekten

Bei diesem Entwurf werden die städtebaulichen Achsen auf dem Grundstück fortgeführt und zu verschiedenen Landschaftsformen und architektonischen Elementen weiterentwickelt. Zwei unterschiedliche Hochhausscheiben werden südlich der Großmarkthalle errichtet und sollen „die bestehende Skyline der Stadt ergänzen“. Die Freiflächen sind in hohem Maße ausgestaltet. Die qualitativ hochwertigen Arbeitsplätze wurden unter Berücksichtigung von Energie- und Umweltaspekten geplant. Bei diesem Entwurfskonzept wird das Grundstück gut genutzt, und die Großmarkthalle wird durch die Proportionen der neuen Gebäude nicht erdrückt. Die Integration in die unmittelbare Umgebung ist gelungen, und viele der Anforderungen des Raumprogramms werden erfüllt.

Relevante Informationen und Downloads

Überarbeitungsphase und endgültige Entscheidung

Am 18. März 2004 beschloss der EZB-Rat, die drei Preisträger zu einer Überarbeitungsphase einzuladen; in dieser Phase sollten sie die Gelegenheit haben, ihre Entwürfe unter Berücksichtigung der Empfehlungen und Anforderungen der Jury, der EZB und der Stadt Frankfurt am Main zu überarbeiten. Deshalb wurde die Überarbeitungsphase in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt am Main durchgeführt.

Am 13. Januar 2005 traf der EZB-Rat eine Entscheidung über den Entwurf für den Neubau der EZB. Nachdem alle drei prämierten Entwürfe aus dem internationalen städte- und hochbaulichen Wettbewerb eingehend diskutiert und die Stärken und Schwächen jedes Entwurfs auf der Grundlage der Auswahlkriterien sorgfältig beurteilt worden waren, kam der EZB-Rat zu dem Entschluss, dass das überarbeitete Entwurfskonzept von COOP HIMMELB(L)AU den von der EZB vorgegebenen funktionalen und technischen Anforderungen am besten entspricht und Merkmale enthält, die die Werte der EZB widerspiegeln und in architektonische Sprache übersetzen. Diese Entscheidung bestätigte das Urteil der internationalen Jury, dieses Projekt mit dem ersten Preis auszuzeichnen.

Relevante Informationen

  • EZB wählt die Teilnehmer der Überarbeitungsphase des Projekts „EZB-Neubau“ aus Pressemitteilung
  • EZB-Rat entscheidet über den Entwurf für den Neubau der EZB Pressemitteilung