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Wie funktioniert das Programm der EZB zum Ankauf von Vermögenswerten?

22. Januar 2016 (aktualisiert am 25. August 2021)

Warum brauchen wir ein Programm zum Ankauf von Vermögenswerten?

In wirtschaftlich normalen Zeiten steuert die EZB die allgemeinen Finanzierungsbedingungen und letztendlich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und die Inflation über die kurzfristigen Leitzinsen. Aufgrund der globalen Finanzkrise haben sich die Leitzinsen jedoch ihrer effektiven Untergrenze genähert – dem Punkt, an dem eine weitere Senkung keine oder nur geringe Wirkung erzielen würde. Aus diesem Grund hat die EZB andere Maßnahmen ergriffen, um den Risiken einer zu lang anhaltenden Phase niedriger Inflation entgegenzuwirken. Zudem soll so die Inflation mittelfristig wieder auf den Zielwert von 2 % gebracht werden. Diesen hat der EZB-Rat als Preisstabilität definiert. Das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten ist eines der Instrumente, das die EZB dafür einsetzt. Im Dezember 2018 endete der Nettoerwerb im Rahmen dieses Programms. Das Programm läuft aber weiter, da Tilgungsbeträge der erworbenen Vermögenswerte bei Fälligkeit vollumfänglich wieder angelegt werden.

Wie funktioniert das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten?

Im Rahmen des erweiterten Programms zum Ankauf von Vermögenswerten erwirbt die EZB Vermögenswerte im Umfang von 15 Mrd € bis 80 Mrd € pro Monat. Zu diesen Vermögenswerten zählen unter anderem Staatsanleihen, Wertpapiere von supranationalen europäischen Institutionen, Unternehmensanleihen, forderungsunterlegte Wertpapiere (Asset-Backed Securities – ABS) und gedeckte Schuldverschreibungen. Mit diesen Ankäufen von Vermögenswerten beeinflusst die EZB die allgemeinen Finanzierungsbedingungen und damit letztendlich das Wirtschaftswachstum und die Inflation. Dies geschieht im Wesentlichen über drei Kanäle:

Direkte Weitergabe

Wenn die EZB Vermögenswerte des privaten Sektors ankauft, die an Darlehen von Banken an private Haushalte und Unternehmen der Realwirtschaft gebunden sind (wie etwa ABS und gedeckte Schuldverschreibungen), treibt die erhöhte Nachfrage den Preis dieser Aktiva nach oben. Für Banken stellt dies einen Anreiz dar, mehr Kredite zu vergeben, auf deren Grundlage sie dann weitere ABS oder gedeckte Schuldverschreibungen ausgeben können. Durch das erhöhte Kreditangebot sinken tendenziell die Kreditzinsen für Unternehmen und private Haushalte, sodass sich die allgemeinen Finanzierungsbedingungen verbessern.

Portfolioanpassungen

Die EZB erwirbt Vermögenswerte des privaten und des öffentlichen Sektors von Anlegern wie Pensionsfonds, Banken und privaten Haushalten. Diese Anleger können die aus dem Verkauf an die EZB erhaltenen Mittel in andere Vermögenswerte investieren. Da dieser Mechanismus der Portfolioanpassungen allgemein die Nachfrage nach Vermögenswerten erhöht, drückt er die Preise nach oben und die Renditen nach unten – selbst bei Vermögenswerten, die nicht direkt Gegenstand des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten sind. Dadurch sinken die Kosten (der effektive Marktzins) für Unternehmen, die sich über den Kapitalmarkt finanzieren wollen. Gleichzeitig schaffen sinkende Wertpapierrenditen Anreize für Banken, Kredite an Unternehmen und private Haushalte zu vergeben. Durch das gestiegene Angebot von Bankkrediten an die Realwirtschaft werden die Kredite für private Haushalte und Unternehmen tendenziell günstiger. Verwenden die Anleger die zusätzlichen Mittel hingegen, um Vermögenswerte mit höherer Rendite außerhalb des Euroraums zu erwerben, kann dies auch zu einem schwächeren Euro-Wechselkurs führen, was tendenziell Aufwärtsdruck auf die Inflation ausübt.

Durch beide Kanäle, also die direkte Weitergabe und die Portfolioanpassungen, verbessern sich die allgemeinen Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und private Haushalte im Euroraum. Der Ankauf von Vermögenswerten kann sich durch die Senkung der Finanzierungskosten stimulierend auf Investitionen und Konsum auswirken. Eine dynamischere Nachfrage seitens der Unternehmen und der Verbraucherinnen und Verbraucher wird letztendlich dazu beitragen, dass die Inflation mittelfristig wieder ein Niveau von 2 % erreicht.

Signalwirkung

Der Ankauf von Vermögenswerten sendet auch ein Signal an die Märkte, dass die Zentralbank die Leitzinsen über einen längeren Zeitraum hinweg auf einem niedrigen Niveau belassen wird. Diese Signalwirkung dämpft die Volatilität und die Ungewissheit an den Märkten in Bezug auf künftige Zinsentwicklungen. Das ist wichtig, da sich verschiedene Anlageentscheidungen daran orientieren. Die Zinssätze für langfristige Kredite beispielsweise werden weiterhin auf einem niedrigen Niveau bleiben, weil die Banken von einem längeren Zeitraum niedriger Zinsen ausgehen.

Mit dem Programm zum Ankauf von Vermögenswerten unterstreicht die EZB ihre Entschlossenheit, ihren Auftrag zu erfüllen. Über die genannten Kanäle begegnet sie aktiv den Risiken einer zu lang anhaltenden Phase niedriger Inflation. So stärkt sie das Vertrauen der Anleger, dass die Inflation mittelfristig auf einem Niveau von 2 % liegen wird – eine Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum in einem Umfeld von Preisstabilität.

Aktualisierung: Dieser Beitrag wurde am 1. April 2016, am 1. April 2017 und am 9. März 2018 aktualisiert, um den Beschlüssen des EZB-Rats zur Änderung des monatlichen Ankaufsvolumens im Rahmen des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten Rechnung zu tragen. Danach wurde er am 28. Februar 2019 erneut aktualisiert, um dem Ende der Nettoankäufe von Vermögenswerten und dem Beginn der Reinvestitionsphase Rechnung zu tragen.

Zuletzt aktualisiert wurde er am 25. August 2021, um die Ergebnisse der Strategieüberprüfung 2020-2021 zu berücksichtigen.