Warum sind Statistiken wichtig?

19. Oktober 2016(aktualisiert am 9. Januar 2018)

Statistiken – Fakten oder Datensätze, die aus numerischen Daten erzeugt werden – sind für die EZB und die Zentralbanken allgemein von großer Bedeutung. Ob im Zusammenhang mit ihrer Kernaufgabe, der Geldpolitik, im Bereich der Finanzstabilität oder bei der Bankenaufsicht, die EZB ist auf qualitativ hochwertige Statistiken angewiesen. Sie sind eine Grundvoraussetzung für fundierte Entscheidungen.

Die Analyse der wirtschaftlichen, monetären und finanziellen Entwicklungen im Vorfeld der geldpolitischen Sitzungen zeigt, wie wichtig Statistiken für die EZB und auch für die Bürgerinnen und Bürger der Länder des Euro-Währungsgebiets sind. Diese Statistiken bilden eine wesentliche Grundlage für die geldpolitischen Beschlüsse des EZB-Rats, durch die wiederum die Zinssätze beeinflusst werden, die Einzelpersonen und Unternehmen zahlen. Das heißt, Statistiken können indirekt Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen haben.

Warum sind qualitativ hochwertige Statistiken so wichtig?

Fundierte Entscheidungen sind nur auf Basis qualitativ hochwertiger Statistiken möglich. Wir legen deshalb strenge Maßstäbe an. So soll sichergestellt werden, dass die Statistiken der EZB genau, konsistent sowie aktuell sind und im Einklang mit internationalen Standards und ohne Einflussnahme Dritter erstellt werden. Gerade Letzteres, also die Unabhängigkeit, sorgt für zuverlässige Statistiken, untermauert die Glaubwürdigkeit unserer geldpolitischen Beschlüsse und stärkt das Vertrauen in die EZB.

Warum brauchen wir darüber hinaus relevante Daten?

Die jüngste Finanzkrise zeigt, wie wichtig es ist, relevante und stärker granulare Daten zu erheben. Zentralbankstatistiken gehen deshalb über Aggregate hinaus, bei denen es sich stets um Mittelwerte handelt, und berücksichtigen auch (detailliertere) Mikrodaten, beispielsweise auf Ebene einzelner Kredite, Transaktionen und Banken.

Anhand granularer Daten lässt sich besser nachvollziehen, wie sich die Geldpolitik auf verschiedene Bereiche der Wirtschaft überträgt. Sie können in einer besseren Ausgestaltung künftiger geldpolitischer Maßnahmen münden und ermöglichen bei Ausreißern (Datenauffälligkeiten) oder Tail Risks (Ereignissen oder Ergebnissen, deren Eintrittswahrscheinlichkeit gering ist, die jedoch beträchtliche Auswirkungen haben) eine raschere geldpolitische Reaktion. Das AnaCredit-Projekt der EZB, bei dem es um einen neuen Datensatz mit detaillierten Informationen zu einzelnen Bankkrediten im Euro-Währungsgebiet geht, ist ein gutes Beispiel für granulare Daten.

Herausforderungen bei der Erhebung detaillierter Daten

Die Erhebung detaillierter statistischer Daten kann eine große Herausforderung darstellen, insbesondere bei der Auswahl von Methodik und Berechnungsmethoden zur Gewährleistung einer länderübergreifenden Vergleichbarkeit.

Auch das Einholen von Auskünften von Akteuren, die zwar nicht zum Bankensystem zählen, aber trotzdem das Finanzsystem und infolgedessen auch die Geldpolitik beeinflussen können, stellt eine Herausforderung dar. Beispiele für solche Akteure sind Hedgefonds – also Kapitalanlagegesellschaften, die liquide Mittel einer begrenzten Zahl von Einzelpersonen/institutionellen Anlegern sammeln – und Schattenbanken – also Unternehmen, die ohne direkten Zugang zu Zentralbankliquidität bankähnliche Leistungen anbieten.

Außerdem soll die Meldelast für die Banken nicht zu hoch sein, da für das Sammeln und Melden der Daten hinreichend Zeit, Mittel und andere Ressourcen erforderlich sind.

Zudem muss stets die Vertraulichkeit der Einzeldaten sichergestellt sein, was insbesondere für Aufsichtsdaten im Zusammenhang mit Tätigkeiten gilt, die gemeinsam mit Dritten durchgeführt werden.

Harmonisierung der Daten ist von zentraler Bedeutung

Die Harmonisierung der Daten ist ebenfalls von zentraler Bedeutung, da sie aussagekräftige Ergebnisse und zuverlässige Vergleiche ermöglicht. So können wir uns der Genauigkeit der Inflationsdaten sicher sein, da sie auf Grundlage nationaler Angaben erstellt werden, die auf einheitlichen Definitionen und Klassifikationen oder, anders ausgedrückt, einem vergleichbaren Einkaufskorb mit Waren und Dienstleistungen basieren.

Wo finde ich Statistiken der EZB?

Der Schwerpunkt der von der EZB erhobenen, entwickelten und erstellten Statistiken liegt verständlicherweise auf dem Euroraum. Wichtige Daten sind frei zugänglich.

Ein breites Spektrum an Statistiken ist über die Website Unsere Statistiken – wo Statistiken als Grafiken und in Formaten dargestellt werden, die sich leicht in digitale Medien integrieren lassen – oder in unserem umfangreichen Statstical Data Warehouse abrufbar.

Das Statistical Data Warehouse beinhaltet:

  • Daten zu Geldpolitik und Wechselkursen der EZB/des Eurosystems
  • Geld-, Kredit-, Banken- und Finanzmarktstatistiken
  • Zahlungsbilanzstatistik und sonstige außenwirtschaftliche Statistiken
  • makroökonomische und sektorale Statistiken
  • Zahlungsverkehrsstatistiken
  • Statistiken zur Bankenaufsicht
  • Daten zu Inflation, sonstigen Preisen, Kosten, Produktion und Arbeitsmärkten

Das Europäische System der Zentralbanken ist stolz darauf, zu den insgesamt zwei europäischen Quellen zu gehören, die qualitativ hochwertige Statistiken zu Europa bereitstellen. Dies ist möglich dank der engen Zusammenarbeit zwischen der EZB und den nationalen Zentralbanken und anderen EU-Institutionen sowie nationalen und internationalen statistischen Ämtern, einschließlich dem Statistischen Amt der EU, Eurostat.

Diese Seite wurde am 9. Januar 2018 aktualisiert und um weitere Informationen ergänzt.