Was sind notleidende Kredite?

12. September 2016

Bankkredite gelten als notleidend, wenn der Kreditnehmer seit mehr als 90 Tagen mit den vereinbarten Zins- oder Tilgungszahlungen in Verzug ist. Notleidende Kredite bezeichnet man auch als „faule Kredite“.

Warum sind notleidende Kredite für Banken ein Problem?

Ordnungsgemäß bediente Kredite bringen den Banken Zinserträge. Diese benötigen sie, um Gewinne zu erzielen und neue Kredite vergeben zu können. Wenn ein Kunde 90 Tage oder länger seine Zins- oder Tilgungsraten nicht wie vereinbart zahlt, muss die Bank mehr Kapital vorhalten. Sie muss dann davon ausgehen, dass der Kredit nicht zurückgezahlt wird. Dadurch kann sie weniger neue Kredite vergeben.

Um ihr Kreditgeschäft langfristig erfolgreich betreiben zu können, müssen Banken den Bestand an notleidenden Krediten möglichst gering halten, damit sie mit der Vergabe neuer Kredite noch einen Gewinn erzielen.

Hat eine Bank zu viele notleidende Kredite in ihrer Bilanz, sinkt ihre Rentabilität, weil sie mit dem Kreditgeschäft nicht mehr genug Geld verdient. Zudem muss sie höhere Rückstellungen bilden – als Sicherheitsnetz für den Fall, dass sie den Kredit irgendwann vollständig abschreiben muss.

Was hat das mit Geldpolitik zu tun?

Die Wirtschaft des Eurogebiets ist stark davon abhängig, dass Banken Kredite vergeben.

Dies macht sich die EZB beim Einsatz ihrer geldpolitischen Instrumente zunutze. Sie kann die Zinsen, zu denen sich Banken von ihr Geld leihen können, anheben oder senken. Dadurch kann sie die Kreditkosten im Privatsektor beeinflussen und somit gewährleisten, dass die Inflation mittelfristig auf einem Niveau von unter, aber nahe 2 % bleibt.

Haben Banken jedoch einen zu hohen Bestand an notleidenden Krediten, können sie weniger Kredite vergeben. Dann verliert der Mechanismus zur Einflussnahme auf die Zinsen im Privatsektor an Wirksamkeit.