Richtfest des EZB-Neubaus

Begrüßungsansprache von Jörg Asmussen, Mitglied des Direktoriums der EZB,
Frankfurt am Main, 20. September 2012

Liebe Kollegen des EZB-Rats und des Erweiterten Rats,

sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Feldmann,

sehr geehrter Herr Pöllath,

sehr geehrter Herr Professor Prix,

sehr geehrte Damen und Herren,

das heutige Richtfest ist ein weiterer wichtiger Meilenstein für unser neues Gebäude und für die Stadt Frankfurt am Main. Als wir im Frühjahr 2010 das letzte Mal anlässlich der Grundsteinlegung an diesem Ort zusammenkamen, war auf dieser Baustelle nicht viel mehr zu sehen als die Großmarkthalle und eine große Grube, da die Bauarbeiten noch nicht begonnen hatten. Der damalige Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet, begrüßte die Bauunternehmen und ihre Mitarbeiter herzlich. Heute, zwei Jahre und vier Monate später, ist dieser Ort kaum wiederzuerkennen. Diese bemerkenswerte Leistung verdanken wir den vielen Menschen, die an diesem gewaltigen Projekt arbeiten.

Im Namen aller meiner Kollegen des EZB-Rats möchte ich allen gratulieren, die dazu beigetragen haben, diesen einzigartigen Gebäudekomplex zu errichten.

Einige von Ihnen sind schon von Anfang an in dieses Projekt involviert, andere seit der Planungsphase. Als die Bauunternehmen und ihr Fachpersonal die Arbeit auf der Baustelle aufnahmen, verdoppelte sich die Zahl der Projektteilnehmer, und bis zum Abschluss des neuen EZB-Gebäudes werden noch weitere Partner hinzukommen. Es ist beeindruckend, zu sehen, dass die Vision von COOP HIMMELB(L)AU in den letzten beiden Jahren dank vieler Arbeitsstunden Gestalt angenommen hat.

Als ich meine Stelle als Mitglied des Direktoriums der EZB antrat, überragte die Struktur des Hochhauses die umstehenden Gebäude nur unwesentlich. Von meinem Büro im Eurotower konnte ich mitverfolgen, wie die EZB-Türme im Frankfurter Osten langsam in die Höhe wuchsen. Mittlerweise kann man sie von vielen Orten innerhalb und sogar außerhalb der Stadt sehen. Die wichtigsten Rohbauarbeiten am Hochhaus sind nun abgeschlossen, und somit sind wir dem Umzug ins Ostend, der neuen Nachbarschaft der EZB, wieder einen Schritt nähergekommen.

Besonderer Dank gebührt den Bauunternehmen – vor allem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Züblin und Spannverbund sowie deren Subunternehmen. Sie haben unablässig und mit großem Engagement darauf hingearbeitet, die Arbeiten mit der erforderlichen Qualität rechtzeitig zu erbringen. Dank Ihnen können wir heute Richtfest feiern und auf dieses eindrucksvolle Bauwerk blicken, das vor uns emporragt.

Es ist eine beachtliche Leistung, dass wir bereits jetzt alle drei Hauptelemente des Gebäudekomplexes nutzen können:

  • wir sind durch das Eingangsgebäude in den neuen Sitz der EZB gelangt, wie dies auch in Zukunft der Fall sein wird;

  • wir feiern das Richtfest in der Großmarkthalle, genauer gesagt dort, wo künftig die Cafeteria untergebracht sein wird und

  • können dabei den Blick auf den Büro-Doppelturm genießen.

Die Architekten des Gebäudes, Professor Wolf Prix und sein Team, wollten mit ihrem Entwurf ein neues und einzigartiges Wahrzeichen schaffen, das Alt und Neu miteinander verbindet. Diese Vision wurde nun für die EZB, eine wahrhaft europäische Institution, realisiert.

Werfen wir nun einen Blick zurück auf die bereits erreichten Meilensteine.

Der Büro-Doppelturm hat schon fast seine endgültige Höhe von 185 Metern erreicht. Vor ein paar Wochen entstand das letzte Stockwerk des Bürogebäudes, die Arbeiten an den verschiedenen Plattformen und Stahlstreben innerhalb des Atriums liegen in den letzten Zügen.

Die Sanierung der Großmarkthalle ist ein weiteres bemerkenswertes Element der derzeit stattfindenden Bauarbeiten. Die einstige Pracht der Fassaden sowie des Tonnenschalendachs wird nach und nach wiederhergestellt. Somit wird die Vision des Architekten der Großmarkthalle, Martin Elsaesser, wieder sichtbar. Ich möchte der Firma Torkret danken, welche die ursprüngliche Halle in den 1920er-Jahren gebaut hat. Danke für Ihre hervorragende Arbeit und dafür, dass Sie für jede Überraschung, welche die Substanz des alten Gebäudes für uns bereithielt, gemeinsam mit den Architekten und Planern die passende Lösung gefunden haben.

Auch die nächsten Schritte sind wichtig. Seit Anfang 2012 sind unzählige technische Ausrüstungen vor Ort auf der Baustelle, und Hunderte Bauarbeiter sind damit beschäftigt, die notwendige technische Infrastruktur einzurichten, damit nach unserem Umzug aus operativer Sicht alles reibungslos abläuft. Hinter den kürzlich fertiggestellten Fassaden des Hochhauses und der sanierten Großmarkhalle wird parallel hierzu weiter am Innenausbau sowie an den Wänden und Böden gearbeitet. Gut zu sehen wird Ende 2012 das Ergebnis der Arbeiten an der Antenne und an den Technikbereichen auf dem Dach des Büro-Doppelturms sein.

Wir überwachen die Baufortschritte sowie die Preis- und Kostenentwicklung sehr genau und nehmen gegebenenfalls Anpassungen und Änderungen vor. Als öffentliche Einrichtung sind wir dazu verpflichtet, verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen umzugehen. Dies ist von entscheidender Bedeutung. Bislang belaufen sich die Ausgaben der EZB für den Bau und sonstige Aufwendungen, einschließlich des Grundstückerwerbs, auf rund 530 Millionen €. 2005 wurden die gesamten Investitionskosten auf 850 Millionen € zu konstanten Preisen von 2005 geschätzt. Es wird davon ausgegangen, dass sich dieser Betrag aufgrund von Preissteigerungen, die sich bei den Baumaterialien und -leistungen in der Zeit von 2005 bis zum Abschluss des Projekts im Jahr 2014 ergeben, um 200 Millionen € erhöhen wird.

Außerdem waren einige unvorhergesehene Herausforderungen zu bewältigen, darunter zwei große Herausforderungen, die 2005 noch nicht abzusehen waren: Zum einen führte die ursprüngliche Ausschreibung zur Bestimmung eines Generalunternehmers zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis, weshalb sich die EZB für ein anderes Ausschreibungsmodell entschied. Zum anderen ergaben sich im Zusammenhang mit der Großmarkthalle – einem großen denkmalgeschützten Industriegebäude aus dem Jahr 1928 – einige Herausforderungen, die bei der Prüfung im Vorfeld des Erwerbs nicht festgestellt worden waren:

  • So stellte sich heraus, dass das Fundament zusätzlich verstärkt werden musste,

  • der Dachbelag aufgrund von Kontaminierung nicht wie geplant entsorgt werden konnte und

  • die Armierung der Betonkonstruktion teilweise unzureichend war.

Die eben genannten Faktoren dürften zusätzliche Kosten in Höhe von etwa 100 bis 150 Millionen € verursachen, was einem 10- bis 14-prozentigen Anstieg der gesamten Investitionskosten entspricht. Der aktuelle Zeitplan berücksichtigt die hieraus resultierende Verzögerung der Bauarbeiten an der Großmarkthalle und am Eingangsbauwerk.

Ich habe dieses Projekt mitten in der Bauphase übernommen und war mir darüber im Klaren, dass anspruchsvolle Projekte wie dieses viele Herausforderungen mit sich bringen. Ich hoffe, dass wir Herausforderungen künftig ebenso erfolgreich meistern wie in der Vergangenheit, und dass das Ergebnis der Bauarbeiten unsere Anforderungen erfüllt.

Ich möchte dem gesamten Team des Projektbüros des EZB-Neubaus für seinen steten Einsatz und sein unablässiges Engagement danken. Es ist sehr beeindruckend, das bisher erzielte Arbeitsergebnis nicht nur des Projektbüros der EZB, sondern auch der Architekten, Planer, Projektmanager und Bauleiter zu sehen – nicht zu vergessen der Bauunternehmen, deren Subunternehmen und sämtlicher Experten und Baufacharbeiter! Ich habe vollstes Vertrauen in Sie alle, dass die gute Zusammenarbeit und das Engagement für dieses europäische Projekt einen erfolgreichen Abschluss finden werden und die EZB ein funktionales Gebäude für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ihre Besucher erhält. Das Endergebnis wird unserem Ziel entsprechen, also ein energieeffizientes, funktionales und sicheres Gebäude sein, das gleichzeitig flexibel genug ist, um Interaktion und Kommunikation zu fördern. Und zwar nicht nur den Austausch zwischen den Mitarbeitern der EZB, sondern auch mit den Kollegen des Eurosystems, des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken und anderer Institutionen. Außerdem wird unser neuer Sitz jene Werte widerspiegeln, die für die Erfüllung unserer Aufgaben von entscheidender Bedeutung sind, nämlich Integrität, Exzellenz, Wirtschaftlichkeit und Transparenz.

Ich bin sehr froh darüber, dass ich heute hier stehen und sagen kann, dass bisher kein schwerer Unfall auf der Baustelle geschehen ist – und dass, obwohl Hunderte von Menschen gleichzeitig auf der Baustelle arbeiten. Ich wünsche mir und hoffe sehr, dass dies auch für die restliche Bauzeit so bleiben wird. Ihnen allen hier auf der Baustelle viel Glück und alles Gute. Bleiben Sie gesund und passen Sie gut auf sich auf!

Ich hoffe, dass die Menschen hier in Frankfurt und andernorts unseren Neubau als Bereicherung der Frankfurter Skyline und der europäischen Landschaft ansehen. Wir in der EZB freuen uns darauf, Sie und alle Besucher aus Frankfurt, Europa und der übrigen Welt 2014 in unserem neuen Gebäude willkommen heißen zu dürfen.

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