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Rede von Christine Lagarde anlässlich einer virtuellen Feier zum Amtswechsel des Bundesbankpräsidenten

Begrüßungsrede von Christine Lagarde, Präsidentin der EZB, anlässlich einer virtuellen Feier zum Amtswechsel des Bundesbankpräsidenten

Frankfurt am Main, den 11. Januar 2022

Ich freue mich, heute hier mit Ihnen sprechen zu dürfen.

Diese Feier zum Amtswechsel ist ein bedeutender Moment des Übergangs für die Deutsche Bundesbank.

Wir verabschieden uns von einem guten Freund, Jens, der auf mehr als zehn erfolgreiche Jahre an der Spitze dieser herausragenden Institution zurückblicken kann. Gleichzeitig begrüßen wir Joachim als den neuen Präsidenten der Deutschen Bundesbank.

Momente des Übergangs sind der Bundesbank nicht fremd. Seit ihrer Gründung im August 1957 hat sie bei mehreren erheblichen Veränderungen in der deutschen Volkswirtschaft eine maßgebliche Rolle gespielt.

Dazu gehörte die 1990 vollzogene Währungsunion im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung. Von einem Tag auf den anderen kam die Kaufkraft der Deutschen Mark allen Menschen in Deutschland zugute.

Auch die Einführung des Euro in Deutschland war ein Moment des Übergangs. In diesem Monat ist es zwanzig Jahre her, dass die Euro-Banknoten und -Münzen Einzug in unseren Alltag hielten.[1]

Doch in all diesen Zeiten des Übergangs gab es stets eine feste Konstante: Die Bundesbank ist ihrem Auftrag zur Gewährleistung von Preisstabilität stets treu geblieben.

Das war der Schlüssel zu ihrem Erfolg, und wir bei der EZB stehen in dieser langjährigen Tradition. Preisstabilität ist das Ziel, das uns in äußerst stürmischen Zeiten Orientierung gegeben hat.

In der kurzen Zeit seit der Euro-Einführung haben wir eine ganze Reihe von Krisen erlebt: von der globalen Finanzkrise über die Staatsschuldenkrise bis hin zur Corona-Pandemie. Zuweilen war die Inflation zu hoch, zuweilen war sie zu niedrig. Unsere Maßnahmen standen jedoch stets im Zeichen der Erfüllung unseres Mandats.

Doch steht die Weltwirtschaft niemals still. Und Zentralbanken müssen sich anpassen, um ihrem Auftrag auch in Zeiten des Wandels gerecht zu werden.

So wie Goethe, der berühmte Sohn der Stadt Frankfurt, einst schrieb: „Das Leben gehört den Lebendigen an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein.“

Daher war der Abschluss unserer Strategieüberprüfung im letzten Jahr so wichtig. Wir haben nun einen geldpolitischen Rahmen, mit dem wir uns neuen Herausforderungen jederzeit stellen können.

Unser neues Inflationsziel von 2 % ist einfach und symmetrisch. Wir haben eine Richtschnur dafür, wie wir auf positive oder negative Abweichungen der Inflation von unserem Zielwert reagieren. Außerdem besteht Klarheit darüber, welche geldpolitischen Instrumente wir wie und wann einsetzen.

Unsere neue Strategie zeigt zudem auf, wie wir dazu beitragen können, längerfristige Herausforderungen, die ein Risiko für die Preisstabilität darstellen, zu bewältigen. Dies gilt insbesondere für den Klimawandel.

Mit unserer Strategie sind wir gut aufgestellt, um Preisstabilität auch in dieser sich rasant verändernden Welt sicherzustellen. Das ist gerade jetzt, angesichts der aktuellen Phase höherer Inflation, besonders wichtig.

Uns ist bewusst, dass steigende Preise vielen Menschen Sorge bereiten, und wir nehmen diese Sorge sehr ernst. Die Menschen können sich darauf verlassen, dass wir unerschütterlich an unserem Preisstabilitätsziel festhalten. Es ist entscheidend für die feste Verankerung der Inflationserwartungen und für das Vertrauen in unsere gemeinsame Währung.

Der gesamte EZB-Rat steht geschlossen hinter diesem Ziel. Zu den großen Stärken des Eurosystems gehört zugleich die Art und Weise, wie es aus unterschiedlichen Sichtweisen einen Konsens bildet. Unsere reichhaltigen Debatten und unsere vielfältigen Standpunkte gewährleisten dabei fundierte Entscheidungen.

In dieser Hinsicht werde ich die Zeit mit Jens ganz sicher vermissen. Er hat im EZB-Rat stets Klartext gesprochen und seine Ansichten deutlich auf den Punkt gebracht. Keiner verkörperte den Kern der Bundesbanktradition, die Mandatstreue, besser als er.

Neben den Herausforderungen im Zusammenhang mit der Gewährleistung von Preisstabilität haben unsere Institutionen während seiner Amtszeit intensiv zusammengearbeitet. Bei vielen Eurosystem-Projekten spielt die Bundesbank eine zentrale Rolle. So ist sie beispielsweise eine der drei Zentralbanken, die die Plattform für TARGET2 betreiben. Außerdem errichtet sie zusammen mit der Banque de France ein Zentrum für digitale Finanzinnovationen.

Unsere Zusammenarbeit in den letzten beiden Jahren war außerordentlich fruchtbar. Lieber Jens, deine Standhaftigkeit, dein Sachverstand und deine Loyalität haben wesentlich zu unserem erfolgreichen Umgang mit der pandemischen Notlage beigetragen. Für deine künftigen Aufgaben wünsche ich dir alles Gute.

Gleichzeitig freue ich mich nun auf die enge Zusammenarbeit mit Joachim als dem neuen Bundesbankpräsidenten.

Joachim bringt einen reichen Erfahrungsschatz mit, den er bei der BIZ, der KfW und natürlich in den 17 Jahren bei der Bundesbank erworben hat. So ist der Anlass für diese Feier zwar ein Amtswechsel, wir feiern aber auch Joachims Heimkehr.

Ich spreche sicher im Namen aller, wenn ich sage:

„Willkommen daheim, lieber Joachim!“

Ich freue mich, dass wir nun gemeinsam in Frankfurt unser Mandat für Europa erfüllen.

  1. Meine Erinnerungen an die Einführung des Euro-Bargelds im Januar 2002 habe ich unlängst geteilt. Siehe C. Lagarde, Unser Euro-Bargeld hat Geburtstag!, Beitrag im EZB-Blog vom 31. Dezember 2021.
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