Aktuelle Entwicklungen am Deutschen Bankenmarkt

Rede von Yves Mersch, Mitglied des Direktoriums der EZB,
Bayerischer Sparkassenverband,
München, 27. Januar 2016

Sehr geehrter Herr Strohmaier, [Vorsitzender des Fachbeirats]

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie haben mich eingeladen, über „Aktuelle Entwicklungen am Deutschen Bankenmarkt“ zu sprechen. Nicht nur qua Amt, als Repräsentant der Europäischen Zentralbank, erlauben Sie gleich zu Beginn den Hinweis, dass ein nationaler Bankenmarkt in einer Währungsunion im Kontext der Währungsunion als Ganzes gesehen werden muss. Ich werde deshalb zunächst darauf eingehen, wie die Banken im Euroraum generell aufgestellt sind; und dann auf die spezifische Situation deutscher Banken zu sprechen kommen.

Widerstandsfähigkeit europäischer Banken trotz anhaltende Ertragsschwäche gestärkt

Die europäischen Banken sind deutlich widerstandsfähiger als noch vor 5 Jahren. Sie haben ihre Kapitalbasis gestärkt und ihre Verschuldung reduziert. Die großen komplexen Bankengruppen haben hier allerdings noch Nachholbedarf. [1]

Die Kreditrisiken gegenüber aufstrebenden Volkswirtschaften aus Asien sind insgesamt begrenzt. In den vergangenen beiden Jahren hielten europäische Banken weniger als 2% ihrer Kreditforderungen aus dieser Region. Deshalb gehe ich davon aus, dass die sich dort eingetrübte Wirtschaftslage allenfalls zu begrenzten Verlusten europäischer Banken führt.

Problematischer sind die gestiegenen Zinsrisiken. Seit vergangenem Frühjahr beobachten wir eine höhere Zinsvolatilität. Zinsanstiege könnten zu unmittelbaren Bewertungsverlusten auf den Bestand der Schuldverschreibungen führen. Zum Beispiel müssen die systemisch relevanten Banken derzeit ungefähr ein Viertel ihrer festverzinslichen Schuldverschreibungen zu Marktpreisen bewerten.

Die Ertragslage der europäischen Banken hat sich jüngst etwas verbessert – hauptsächlich wegen höherer nicht zinsbezogener Ertragsanteile. Aber die Erträge sind im derzeit schwachen wirtschaftlichen Umfeld und angesichts niedriger Zinsen immer noch gering. Die Zinsmarge ist gering und seit fast zwanzig Jahren ständig gesunken.

Auch der Bestand notleidender Kredite drückt die Ertragsaussichten. Dies gilt vor allem in den Ländern, die besonders stark von der Finanzkrise betroffen waren. Hier ist unter anderem die Politik gefragt, den Abbau dieser Altlasten zu beschleunigen. Etwa indem sie dafür sorgt, dass Justizsysteme effizienter arbeiten und das Insolvenzrecht internationalen Standards entspricht.

Es wäre aber zu kurz gegriffen, die schwachen Erträge einzig auf Umfeldfaktoren außerhalb des Einflussbereichs von Bankmanagern zurückzuschieben. So haben viele europäische Banken beispielsweise weiterhin sehr hohe Verwaltungskosten. Und daran ließe sich ja durchaus etwas ändern.

Ich gehe davon aus, dass Zinserträge in den kommenden Jahren eine untergeordnete Rolle spielen werden. Auch deshalb haben Europas Banken vor allem dann Aussichten auf steigende Erträge, wenn es ihnen gelingt, ihre Geschäftsmodelle anzupassen.

Manch einer mag argumentieren, auch die verschärfte Regulierung des Bankensektors mache einigen Instituten zu schaffen. Es ist unbestritten, dass wir keine „Regulierung der Regulierung halber“ brauchen. Es geht auch nicht darum, die Marktteilnehmer unnötig zu gängeln. Vielmehr kann ein adäquates Regelwerk Freiräume schaffen. Denn Regulierung, die für mehr Stabilität sorgt, Informationsasymmetrien und andere destabilisierende Faktoren verringert, trägt dazu bei, dass Marktteilnehmer Entscheidungsfreiheit gewinnen.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss der Regulierer kontinuierlich überprüfen, ob die geltenden Regeln im Verhältnis zu aktuellen und künftig erwarteten Risiken am Finanzmarkt stehen. Darauf sollten die Banken sich einstellen. Genauso wie sich die Situation an den Finanzmärkten ändert – denken Sie beispielsweise an Finanzinnovationen – ändert sich auch der Regulierungsbedarf.

Deshalb war es auch mit Blick auf die jüngste Finanzkrise notwendig, das Regelwerk anzupassen. Von einem „Regulierungstsunami“ würde ich in diesem Zusammenhang allerdings nicht sprechen.

So haben viele Banken zu wenig Kapital vorgehalten, um einen großen ökonomischen Schock unbeschadet überstehen zu können. Entsprechend werden den Banken inzwischen größere und hochwertigere Sicherheitspuffer abverlangt. Das dient auch dem Schutz des Steuerzahlers. Und es hat sich bewährt: die europäischen Banken sind – dank höherer Kernkapitalquoten – widerstandsfähiger geworden.

Die Finanzkrise hat auch gezeigt, dass Paniksituationen sehr schnell zu Liquiditätsengpässen am Interbankenmarkt führen können. Deshalb sind ausreichende Liquiditätspuffer notwendig. Hierfür dienen die Liquiditätsdeckungsquote (LCR – Liquidity Coverage Ratio) und die strukturelle Liquiditätskennziffer (Net Stable Funding Ratio – NSFR).

Mir ist bewusst, dass die Aussicht auf neue Regeln zu Unsicherheit führen kann. Und ich weiß, dass es für Sie nicht immer einfach ist, mit dieser Unsicherheit umzugehen. Inzwischen haben Sie aber deutlich mehr Planungssicherheit. Denn was vor kurzem noch lose Richtungsvorgaben waren, wird nun konkret.

So steht beispielsweise fest, dass die Deutsche Bank als global systemrelevantes Institut, einen zusätzlichen Kapitalpuffer (G-SIB Puffer) von 2% vorzuhalten hat. Außerdem wird bald klar sein, für welche Institute künftig strengere Auflagen gelten werden. Denn die BaFin wird zeitnah entscheiden, welche Institute zu den anderen systemrelevanten Instituten (other systemically important institutions, O-SIIs) zählen werden. Schließlich hat die BaFin zum ersten Mal den antizyklischen Kapitalpuffer festgelegt. Dieser liegt seit Anfang des Monats bei 0%. Der Puffer wird nun vierteljährlich überprüft. Der EZB-Rat kann dabei einen höheren Puffer fordern. Derzeit stimmen wir jedoch dem Urteil der BaFin zu.

Mit diesen deutschen Umsetzungsbeispielen bin ich beim zweiten Teil meiner Rede, der Situation am deutschen Bankenmarkt.

Relativ solide Situation deutscher Banken kein Grund zur Selbstzufriedenheit

Der deutsche Bankensektor ist - absolut gesehen – neben dem französischen der größte in der Währungsunion. 2014 betrugen die Gesamtaktiva deutscher Banken knapp 6,8 Billionen [6750 Mrd.] Euro. Das entspricht etwa 250% des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) und 28% der Gesamtaktiva in der Währungsunion. In Deutschland gibt es auch vergleichsweise viele Banken. Wenn wir die Zweigstellen ausländischer Banken in Deutschland außen vor lassen, sind es an die 1700 Kreditinstitute. Das macht ein Drittel der Gesamtzahl der Banken in der Währungsunion aus. [2]

Allein angesichts der Größe des deutschen Bankensektors spielt dieser auch eine wichtige Rolle für die EZB, die für den gesamten Euroraum zuständig ist.

Der deutsche Bankensektor ist nicht nur relativ groß. Er ist auch heterogen. Die kleineren und mittelgroßen Institute („Less significant institutions (LSIs)“), zu denen auch die Sparkassen zählen, machen etwa 35% der Bilanzsumme des deutschen Bankensektors aus. Während in anderen Euroländern die systemisch relevanten Banken, die direkt von der EZB beaufsichtigt werden, zu etwa 80 – 85% der Gesamtaktiva im jeweiligen Mitgliedstaat beitragen, liegt dieser Beitrag in Deutschland bei nur etwa 65%.

Wie es um die kleineren und mittelgroßen Institute bestellt ist, wissen Sie selber sicher am besten. Eine gemeinsame Umfrage von Bundesbank und BaFin [3] zeigt, dass die kleineren und mittelgroßen Institute, wenn sie nicht entsprechend gegensteuern, nochmals empfindliche Gewinneinbußen zu erwarten haben. Selbst bei einem Zinsanstieg – so die befragten Institute – würden ihre Gewinne in den kommenden Jahren leicht zurückgehen. Wenn sich das Umfeld so entwickelt, wie die Banken erwarten, nähme ihre Profitabilität vor Steuern in den kommenden drei Jahren um etwa ein Viertel ab im Vergleich zu 2014. Und das, obwohl die Rahmenbedingungen in Deutschland derzeit vergleichsweise günstig sind und die Institute angeben, dass sie ihre Kosten senken wollen. Unter der Annahme eines negativen Zinsschocks von 100 Basispunkten würden die Erträge sogar um 60% bis 75% schrumpfen.

Noch ist die Ertragslage der kleineren und mittelgroßen Institute und damit auch der Sparkassen solide. Mittelfristig sehe ich allerdings Risiken, wenn langfristige Kredite zu sehr niedrigen festen Zinsen vergeben werden. Wie in der übrigen Währungsunion sinkt auch in Deutschland die Zinsmarge.

Das spüren auch die deutschen Großbanken. Obwohl die ökonomische Lage in Deutschland wesentlich besser ist als in manch anderen Mitgliedstaaten, verzeichnen sie kaum Gewinnzuwächse. [4] Bei den derzeitigen Rahmenbedingungen hohe Erträge zu erzielen, ist in der Tat eine Herausforderung. Gewinne ergeben sich allerdings als Differenz zwischen Erträgen und Aufwendungen, also Kosten. Möglichkeiten, die Kostenstruktur effizienter zu gestalten, gäbe es durchaus.

Wenn die Zinsmargen über einen längeren Zeitraum niedrig sind, gilt es, Geschäftsmodelle zu überdenken. Das heißt, beispielsweise, andere Einkommensquellen zu erschließen. Die Großbanken haben damit bereits vor geraumer Zeit begonnen. Aber die Landesbanken, die an sich ein ähnliches Geschäftsmodell fahren wie die Großbanken, verzeichnen weiterhin einen hohen Anteil an margenarmem Interbankengeschäft. Das mindert auch die Möglichkeiten, Eigenkapital aufzubauen.

Und die kleineren und regionalen Banken haben in den vergangenen 50 Jahren ihr Geschäftsmodell praktisch gar nicht angepasst. Sie setzen weiterhin auf einlagenfinanzierte regionale Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen.

Noch spielen die kleineren Banken, speziell die Sparkassen, eine wichtige Rolle für die Finanzierung des Mittelstands. Nicht nur hier in Deutschland, sondern in Europa generell. Aber es ist nicht ausgemacht, dass dies auch so bleiben wird. Nicht zuletzt deswegen, weil die Großbanken ihre Strategie angepasst haben. Sie fahren Investmentbankaktivitäten zurück und konzentrieren sich verstärkt auf das Firmenkunden-und Retailgeschäft. Damit wird der Wettbewerb schärfer. Die Stabilität des Sparkassensektors ist nicht in Stein gemeißelt.

Der Strukturwandel ist eine wichtige Herausforderung. Nicht nur für die kleineren Institute. Nachholbedarf sehe ich etwa mit Blick auf neue Technologien. Ausländische Institute nutzen diese Technologien, um europaweit – und damit auch in Deutschland – Kredite anbieten zu können. Das erhöht den Konkurrenzdruck. Auch wenn dies zunächst nur auf standardisierte Konsumentenkredite zutreffen mag.

Außerdem frage ich mich, wie Deutschlands Banken auf neue Marktteilnehmer wie Fintechs reagieren. Oder ob Peer-to-Peer-Kredite künftig einen so großen Stellenwert einnehmen werden, dass die Banken ihr herkömmliches Geschäftsmodell überdenken.

Wenn solche und andere Alternativen zur klassischen Finanzierung über den Bankensektor zunehmen, kann das durchaus Anreize setzen, die dringend notwendige Konsolidierung in diesem Sektor weiter voranzutreiben. Insbesondere bei den Landesbanken hat sich einiges getan. Hatte Deutschland vor der Finanzkrise noch 12 Landesbanken, so sind es heute nur noch 9. Gleichzeitig ist die Bilanzsumme dieser Bankengruppe um 30% geschrumpft. Insgesamt betrachtet, ist die Zahl deutscher Kreditinstitute in den vergangenen Jahren aber nur um 10% zurückgegangen. In den übrigen Mitgliedstaaten der Währungsunion nahm die Anzahl der Kreditinstitute im selben Zeitraum immerhin um knapp ein Viertel [-23%] ab. Nicht zuletzt, weil die Überkapazitäten aus Vorkrisenzeiten die Ertragsaussichten belasten. [5] Die Finanzinstitute könnten von „schöpferischer Zerstörung“ also durchaus profitieren.

Nachdem ich nun so viel zur schwierigen Ertragslage gesprochen habe, abschließend noch etwas Positives: um die Kapitalbasis deutscher Banken ist es sehr gut bestellt. Ihre Kernkapitalquote hat sich seit Anfang 2008 um 6 ½ Prozentpunkte stetig erhöht – auf nunmehr 15,6%. Allerdings hat auch der deutsche Steuerzahler dazu beigetragen. Zwischen 2008 und 2013 gewährte der Staat dem deutschen Finanzsektor Hilfen in Höhe von €144 Mrd. in Form von Kapitalspritzen (ca. 64 Mrd. Euro) und Entlastungen für Vermögenswerte (ca. 80 Mrd.). [6] Staatliche Garantien bewegten sich in ähnlicher Größenordnung. Ungefähr 40% oder €26 Mrd. Euro der Kapitalerhöhungen entfielen dabei auf die Landesbanken.

Auch wenn die Erträge je nach künftiger Zinsentwicklung und Anpassungswillen der deutschen Banken deutlich zurückgehen könnten, gehe ich deshalb wegen der höheren Kapitalpuffer derzeit nicht von nennenswerten Risiken für die Finanzstabilität hierzulande aus.

Auch im Niedrigzinsumfeld lassen sich Renditen auf Ersparnisse erzielen

Lassen Sie mich noch kurz auf die Situation der Sparer eingehen, weil dieses Thema in Deutschland immer wieder besondere Beachtung findet. Die deutschen Haushalte halten übrigens nur etwas mehr als 40% ihres gesamten Geldvermögens als Einlagen bei Banken. Damit liegen sie ungefähr gleichauf mit dem durchschnittlichen Euroraum-Sparer – so speziell ist der deutsche Sparer also gar nicht. [7]

Mir ist durchaus bewusst, dass derzeit die nominalen Renditen auf Spareinlagen sehr gering sind. Die öffentliche Debatte bezieht sich häufig auf die Nominalzinsen. Verständlich; schließlich werben Finanzinstitute in der Regel mit Nominalzinsen. Tatsächlich kommt es aber auf die realen Erträge an. Eine Studie der Bundesbank zeigt z.B., dass der reale Ertrag aus dem Geldvermögen der Haushalte in den vergangenen drei Jahren bei ungefähr 2% lag. Dies ist zwar niedriger als der langfristige Durchschnitt von 3,5% aus den 16 Jahren vor der Finanzkrise [8], aber deutlich von 0% entfernt.

Auch gab es in der Vergangenheit immer wieder Phasen mit negativen realen Zinserträgen; z.B. zu Beginn der 2000er Jahre und während der jüngsten Finanzkrise, aber auch in den 1970er und Anfang der 1990er Jahre – damals allerdings bei deutlich höheren Inflationsraten. Rechnet man das Vermögen aus Wohnimmobilien hinzu, haben deutsche Haushalte wegen gestiegener Immobilienpreise in den vergangenen fünf Jahren sogar eine höhere Rendite erzielt als in den letzten fünf Jahren vor der Finanzkrise. [9]

Für Sparer sind letzten Endes die längerfristigen realen Zinserträge von Bedeutung. Und die hängen hauptsächlich von Faktoren ab, die wir als Zentralbank nicht dauerhaft beeinflussen können. [10] So spielen zum Beispiel das Wirtschaftswachstum und die reale Rendite auf Sachkapital eine entscheidende Rolle dafür, wie sich die Realzinsen langfristig entwickeln. Außerdem beeinflusst das globale Verhältnis von Spar- und Investitionsaufkommen die Realzinsen. Seit Ende der 1990er Jahre haben die asiatischen Schwellenländer ihre Währungsreserven deutlich erhöht. Entsprechend tragen sie zu einem globalen Überhang an Ersparnissen bei. In den entwickelten Volkswirtschaften begannen die Menschen aufgrund alternder Gesellschaften mehr zu sparen. Und über diesen Zeitraum sind auch die Realzinsen gesunken. So sind die durchschnittlichen realen Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen in den wichtigen industrialisierten Ländern inklusive Deutschland von ca. 4% der Mitte/Ende der neunziger Jahre auf ca. 2% im Jahr 2007 gefallen [11] – wohlgemerkt vor Ausbruch der Finanzkrise.

Umfrageergebnissen zufolge sind die Deutschen derzeit mit ihrer Geldanlage zufrieden. [12] Jüngste Entwicklungen deuten darauf hin, dass sie langsam wieder Interesse für riskantere Anlageformen zeigen. So legten sie im dritten Quartal des vergangenen Jahres deutlich mehr Geld an den Kapitalmärkten an als in den 6 Jahren zuvor. [13] Sie erlitten allerdings auch spürbare Bewertungsverluste. Das Sparbuch oder das Termingeld sind aber immer noch populär.

Das unterstreicht, was Studien und Statistiken [14] schon länger nahe legen: deutsche Sparer sind ausgesprochen risikoscheu. Risiken vorsichtig abzuwägen, ist per se eine gesunde Einstellung - und somit auch positiv für die Finanzstabilität. Übertriebene Vorsicht schmälert allerdings auch die Rendite. Hier sehe ich eine große Chance für die Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Ihr strategischer Vorteil ist die Nähe zum Kunden. So können Sie Ihre Kunden solide beraten und zu einem umfassenden Verständnis beitragen von Finanzprodukten und deren Risiken.

Schlussbemerkungen

Ich fasse abschließend kurz zusammen: Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise haben Europas Banken ihre Kapitalbasis gestärkt. Dies gilt auch für den deutschen Bankensektor als den größten der Eurozone.

Auch wenn es um die deutschen Banken besser bestellt ist, als um die Finanzinstitute einiger anderer Mitgliedstaaten, besteht kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Zum einen verhindern allzu hohe Kosten bislang den Aufbau zusätzlichen Eigenkapitals. Zum anderen dürfte sich der Wettbewerb am deutschen Bankenmarkt spürbar verschärfen. In Folge der Finanzkrise satteln einige größere deutsche Banken um. Sie setzen verstärkt auf klassisches Firmenkunden- und Retailgeschäft und fahren Investmentbankaktivitäten zurück. Darüber hinaus erleichtert technologischer Fortschritt auch ausländischen Banken den Zugang zum deutschen Markt. Das bekommen sowohl die kleineren als auch die größeren deutschen Banken zu spüren.

Auch für die deutschen Sparkassen dürfte der Anpassungsdruck steigen. Auch wenn er sein Geschäftsmodell in der Vergangenheit kaum verändern musste, ist die Stabilität des Sparkassensektors nicht in Stein gemeißelt. Verschärfter Wettbewerb in einem Umfeld niedriger Zinsen über einen längeren Zeitraum könnte die Erträge künftig spürbar schmälern. Angesichts geringer Zinsmargen gehören die traditionellen Geschäftsmodelle auf den Prüfstand.



[1]ECB (2015a), Financial Stability Review, November.

[2]ECB (2015b), Report on financial structures, Oktober. 2015.

[4]Deutsche Bundesbank (2015a), Strukturelle Entwicklungen im deutschen Bankensektor, Monatsbericht April 2015.

[5]ESRB (2014), „Is Europe Overbanked?“, Reports of the Advisory Scientific Committee No. 4, June.

[6]Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung, „Historischer Überblick über die Maßnahmen des SoFFin, Maßnahmestand 31.12.2015“; sowie Europäische Kommission – DG-Competition, „State Aid Scoreboard 2014 – Aid in the context of the financial and economic crisis“.

[7]ECB (2013), The Eurosystem household finance and consumption survey: results from the first wave, Statistics Paper Series No 2.

[8]Deutsche Bundesbank (2015b), Das Spar- und Anlageverhalten privater Haushalte in Deutschland vor dem Hintergrund des Niedrigzinsumfelds, Monatsbericht Oktober.

[9]Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) (2015), „The German Saver“ and the low policy rate environment, IWH Online 9/2015, S. 1-22.

[10]Bindseil et al. (2015), Critique of accommodating central bank policies and the ‚expropriation of the saver’. A review, ECB Occasional Paper No. 161.; U.S. Executive Office of the President, Council of Economic Advisers (2015). Long-Term Interest Rates: A Survey (PDF). Washington: EOP.

[11]Bean et al. (2015), Low for Long? Causes and Consequences of Persistently Low Interest Rates, Geneva Reports on the World Economy 17, International Center for Monetary and Banking Studies.

[12]Siehe Dezember 2015 Umfrage durchgeführt von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Banken.

[13]Deutsche Bundesbank (2016), Geldvermögensbildung und Außenfinanzierung in Deutschland im dritten Quartal 2015, Sektorale Ergebnisse der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung, Pressenotiz.

[14]Markus M. Grabka, Christian Westermeier (2015) Reale Nettovermögen der Privathaushalte in Deutschland sind von 2003 bis 2013 geschrumpft, DIW Wochenbericht 34 / 2015, S. 727-738, Deutsche Bundesbank (2015b) (a.a.O.), IWH (2015) (a.a.O.).

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