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Amtliche Statistiken für eine globale Wirtschaft

Rede von Eugenio Domingo Solans, Mitglied des EZB-Rats und des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, anlässlich des 54. Weltkongresses des Internationalen Statistischen Instituts, Berlin, 20. August 2003

Einleitung

Ich fühle mich geehrt und auch privilegiert, heute bei diesem Kongress zu Ihnen sprechen zu dürfen. Das Internationale Statistische Institut (ISI) ist der angesehenste internationale Statistiker-Berufsverband und umfasst im Prinzip alle statistischen Disziplinen. Darüber hinaus ist es einer der ältesten internationalen Wissenschaftlerverbände. So möchte ich Deutschland dazu gratulieren, dass es zum zweiten Mal Gastgeber des Statistik-Weltkongresses ist, genau ein Jahrhundert nach dem ersten derartigen Ereignis, das im Jahr 1903 ebenfalls in Berlin stattfand.

Moderne Volkswirtschaften können nur effizient funktionieren, wenn die breite Öffentlichkeit, die Wissenschaftler, die Märkte und die Entscheidungsträger gut über wirtschaftliche und soziale Entwicklungen informiert sind. Amtliche Statistiken, die in Übereinstimmung mit dem ISI-Verhaltenskodex (ISI Declaration of Professional Ethics) entwickelt, berechnet und verbreitet werden, sind hierfür die mit Abstand wichtigsten und zuverlässigsten Informationsquellen. Darüber hinaus sollte die Methodik amtlicher Wirtschafts- und Finanzstatistiken für eine globale Wirtschaft in internationale Standards für die Erstellung von Statistiken eingebettet sein, da dies die grenzüberschreitende Vergleichbarkeit amtlicher Statistiken verbessert. Es erleichtert auch deren Interpretation durch Handelspartner, Finanzmärkte sowie internationale und supranationale Institutionen wie den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Europäische Zentralbank (EZB).

Für amtliche Wirtschafts- und Finanzstatistiken gibt es viele Nutzungsmöglichkeiten und Nutzer, insbesondere in einer Marktwirtschaft; zuerst möchte ich jedoch die intensive Nutzung amtlicher Statistiken durch Zentralbanken am Beispiel der EZB illustrieren. Dann werde ich die mittelfristigen Prioritäten der EZB im Hinblick auf Wirtschafts- und Finanzstatistiken für eine globale Wirtschaft darlegen. Die Umsetzung dieser mittelfristigen Prioritäten muss im Einzelnen das richtige Gleichgewicht zwischen dem Nutzen und den Kosten zusätzlicher Statistiken sowie zwischen ihrer Aktualität und ihrer Zuverlässigkeit als Grundlage für Zentralbankbeschlüsse erreichen. Für eine Währungsunion ist es von ganz zentraler Bedeutung, die Methoden zu harmonisieren, mit denen die einzelnen Länder statistische Daten erheben und generieren, um aussagekräftige Aggregate für den gesamten Währungsraum zu ermöglichen. Die Methodik richtet sich daher nach den internationalen statistischen Standards, die ihrerseits revidiert werden können, um ihre Anwendung zu verbessern. Die aktuelle Harmonisierung der internationalen Rechnungslegungsgrundsätze wird die internationalen Statistikstandards zusätzlich stärken. Es ist mir ein Anliegen, die internationale Gemeinschaft der Statistiker – insbesondere an Universitäten und in Forschungsinstituten – zur aktiven Beteiligung an allen diesen Entwicklungen zu ermutigen.

Die Bedeutung amtlicher Wirtschafts- und Finanzstatistiken für Zentralbanken

Der für Statistik zuständige Geschäftsbereich einer Zentralbank – im Fall der EZB die Generaldirektion Statistik – sollte die relevanten Statistiken für alle Funktionen und Aufgaben der Zentralbank bereitstellen. Neben der Geldpolitik, die sicher unser "Hauptabnehmer" ist, sollte der Geschäftsbereich Statistik einer Zentralbank auch andere "Kunden" innerhalb der Zentralbank (Finanzstabilität und Finanzaufsicht, Zahlungsverkehrssysteme, internationale Beziehungen usw.) und außerhalb der Zentralbank bedienen (Marktteilnehmer, Wissenschaftler, die breite Öffentlichkeit).

Die verschiedenen Funktionen und Aufgaben einer Zentralbank stehen natürlich in Beziehung zueinander, und die statistischen Informationen, die für geldpolitische Maßnahmen in den verschiedenen Bereichen benötigt werden, haben miteinander verwandte oder sogar gemeinsame Quellen, erfordern ähnliche Methoden der Bearbeitung und profitieren von einem integrierten Kommunikationsnetz.

Hier kommt ein wichtiges Prinzip zum Tragen: die Unabhängigkeit der Statistik und der Statistiker von den Entscheidungsträgern. Die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit in der Bereitstellung der Daten darf nicht allein von der Professionalität der Experten abhängen; sie braucht auch einen geeigneten organisatorischen Rahmen. Statistische Informationen sind so machtvoll, dass es trotz des guten Willens aller Beteiligten – den ich voraussetze – aufgrund institutioneller Regelungen unmöglich sein sollte, darüber zu spekulieren, welche und wie viele statistische Informationen wann bekannt gegeben werden. Der Spekulation begegnet man am besten durch Standardisierung, wenn es um den angemessenen Umgang mit statistischen Informationen geht. Unabhängigkeit bedeutet natürlich nicht Isolation oder Mangel an Kommunikation. Für Statistiker ist eine gute Zusammenarbeit mit den anderen Geschäftsbereichen ihrer Zentralbank, den Marktteilnehmern, Entscheidungsträgern und anderen Nutzer ihrer Daten entscheidend.

Lassen Sie mich nun zu der Beziehung zwischen Geldpolitik und Statistik im Fall der EZB kommen.

Die Bedeutung amtlicher Wirtschafts- und Finanzstatistiken für die stabilitätsorientierte Geldpolitik der EZB ist kaum zu überschätzen. Die geldpolitische Strategie wurde vom EZB-Rat im Oktober 1998 bekannt gegeben und nach einer angekündigten Überprüfung im Mai 2003 bestätigt und verdeutlicht. Sie besteht aus einer quantitativen Definition von Preisstabilität und einer breit fundierten Analyse der Risiken für die Preisstabilität, die eine "wirtschaftliche Analyse" und eine "monetäre Analyse" umfasst.

Die quantitative Definition von Preisstabilität beruht auf dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für das Euro-Währungsgebiet, den das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften, Eurostat, in enger Zusammenarbeit mit den nationalen statistischen Ämtern entwickelt, berechnet und verbreitet. Der HVPI für das Euro-Währungsgebiet ist für jeden Monat verfügbar und wird bis zur Mitte des Folgemonats mit relativ detaillierten Zahlen veröffentlicht. Zusätzlich wird bereits am Ende des Referenzmonats eine Vorausschätzung des HVPI für den Euroraum veröffentlicht.

Die "wirtschaftliche Analyse" konzentriert sich hauptsächlich auf die Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen und der impliziten kurz- bis mittelfristigen Risiken für die Preisstabilität aus der Perspektive des Zusammenspiels zwischen Angebot und Nachfrage an den Güter-, Dienstleistungs- und Faktormärkten. Die Wirtschafts- und Finanzstatistiken, die der wirtschaftlichen Analyse zugrunde liegen, umfassen unter anderem die wichtigsten Aggregate der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, Statistiken zur Finanzlage der öffentlichen Haushalte, kurzfristige Konjunktur- und Arbeitsmarktindikatoren, Wechselkurse, die Zahlungsbilanz des Euroraums, Finanzmarktstatistiken sowie Finanzierungssalden sämtlicher Wirtschaftssektoren im Euro-Währungsgebiet. All diese Statistiken helfen, die Dynamik der realen Wirtschaftstätigkeit innerhalb des Euroraums und weltweit zu beurteilen und die wahrscheinliche Preisentwicklung über kürzere Zeithorizonte abzuschätzen.

Die "monetäre Analyse" konzentriert sich auf Geldmengen- und Liquiditätsaspekte und dient in erster Linie dazu, die kurz- bis mittelfristigen Anzeichen, die sich aus der wirtschaftlichen Analyse ergeben, aus mittel- bis langfristiger Perspektive gegenzuprüfen. Die Statistiken, die der monetären Analyse zugrunde liegen, umfassen unter anderem die ausreichend detaillierte konsolidierte Bilanz der Banken des Euroraums, insbesondere die monetären Aggregate und ihre Gegenposten, die Bilanz der Investmentfonds im Euro-Währungsgebiet, Statistiken zu Emissionen von Schuldverschreibungen und Aktien sowie die Bilanzen finanzieller Aktiva and Passiva der nichtfinanziellen Sektoren mit Angaben über deren etwaige Veränderungen.

Die wirtschaftliche Analyse und die monetäre Analyse, auf die sich die Geldpolitik der EZB stützt, wurden – und werden – mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Statistiken für das Euro-Währungsgebiet sowie der stetigen Verbesserung des technischen Instrumentariums vertieft und erweitert. Viele der zugrunde liegenden Statistiken für den Euroraum werden im Statistikteil des EZB-Monatsberichts und auf der Website der EZB veröffentlicht. Das Statistics Pocket Book der EZB, das während dieses ISI-Kongresses erstmals erscheint, fasst die wichtigsten Wirtschafts- und Finanzstatistiken des Euroraums in einem handlicheren Format zusammen.

Alle modernen Zentralbanken verwenden generell eine Vielzahl amtlicher Statistiken zur Vorbereitung und Erläuterung geldpolitischer Beschlüsse. Ein weiteres herausragendes Beispiel hierfür ist der Monetary Policy Report – der Bericht zur Geldpolitik, den das Board of Governors des Federal Reserve System dem Kongress zweimal jährlich vorlegt. Mit einer vereinfachenden Metapher könnte man die Statistiken als das Rohmaterial bezeichnen, das in den Prozess der Geldpolitik eingeht und zu einem Beschluss über die Leitzinsen führt, der sie entweder bestätigt oder verändert.

Darüber hinaus werden Statistiken von Zentralbanken nicht nur intensiv genutzt, sondern auch erstellt. Der Vertrag über die Europäische Union betraut damit sowohl die EZB als auch die Organe der Gemeinschaft – in der Praxis Eurostat. Die jeweiligen Zuständigkeitsbereiche für Wirtschafts- und Finanzstatistiken auf europäischer Ebene wurden in einem Memorandum of Understanding festgelegt, das im Jahr 1995 erstmals unterzeichnet und im Jahr 2003 erweitert wurde. Seine Ziele sind die Vermeidung von Doppelarbeit im Bereich der Statistik auf europäischer Ebene und von widersprüchlichen Datenanforderungen seitens der EZB und der Organe der Gemeinschaft sowie die Bereitstellung qualitativ hochwertiger Statistiken für Entscheidungsträger, Märkte, Wissenschaftler und die breite Öffentlichkeit.

Mittelfristige Prioritäten der EZB im Bereich Statistik

Wer mit der Entwicklung, Erhebung und Zusammenstellung amtlicher Wirtschafts- und Finanzstatistiken vertraut ist, weiß, dass jahrelange Vorarbeiten notwendig sind, ehe man ausreichend zuverlässige Daten veröffentlichen kann. Die Generaldirektion Statistik der EZB hat deshalb im Bereich Statistik mittelfristige Prioritäten gesetzt. Diese betreffen nicht nur Statistiken, für die die EZB auf europäischer Ebene Verantwortung trägt, sondern auch Anforderungen an Statistiken, die von der EZB und den Finanzmärkten intensiv genutzt, aber von Anderen – hauptsächlich Eurostat – erstellt werden. Ich bezeichne dies gern als Katalysatorfunktion der EZB für amtliche Wirtschafts- und Finanzstatistiken.

Die wichtigsten mittelfristigen Prioritäten der EZB im Bereich Statistik sind: die Umsetzung des Aktionsplans für den wirtschafts-, geld- und finanzpolitischen Statistikbedarf in den zehn Ländern, die der Europäischen Union im Mai 2004 beitreten; ein statistischer Rahmen zur Abbildung der Finanzstabilität; ein umfassendes System vierteljährlicher, nach Sektoren des Euroraums untergliederter finanzieller und nichtfinanzieller Konten; die Wichtigsten Europäischen Wirtschaftsindikatoren unter Berücksichtigung des Prinzips "First for Europe" sowie eine verbesserte Verbreitung von Statistiken einschließlich Qualitätsindikatoren.

Ehe ich diese wichtigsten mittelfristigen Pläne skizziere, möchte ich bekannt geben, dass die EZB und die nationalen Zentralbanken des Euroraums noch in diesem Jahr beginnen werden, Bankzinsstatistiken zu veröffentlichen. Diese harmonisierten monatlichen Statistiken werden die Zinssätze der Banken auf Einlagen und Kredite mit unterschiedlichen Laufzeiten gegenüber den privaten Haushalten und den nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften darstellen. Sie umfassen die Bestände und das Neugeschäft im Euro-Währungsgebiet sowie in den teilnehmenden Ländern. Die neuen Statistiken werden ein vollständiges und harmonisiertes Bild der Zinssätze und Zinsvolumen der Banken sowie der Veränderungen im Zeitverlauf bieten.

Der Aktionsplan für den wirtschafts-, geld- und finanzpolitischen Statistikbedarf in den beitretenden Staaten wurde von der EZB und der Kommission gemeinsam erstellt. Er zeigt, dass sich die Vollständigkeit und Aktualität der Statistiken für diese Länder verbessert. Darüber hinaus zeigt er, dass seitens der nationalen Zentralbanken und nationalen statistischen Ämter konzertierte Anstrengungen erforderlich sind, um die wichtigsten Anforderungen zu erfüllen. Die oberste Priorität sind Statistiken, die der Beurteilung der nominalen und realen Konvergenz dienen. Für die Zahlungsbilanzstatistik und den Auslandsvermögensstatus sind zwar in den meisten Ländern Daten verfügbar, aber ihre Aktualität und Genauigkeit sollte in einigen Fällen verbessert werden. Viele nationale Zentralbanken erfüllen die Anforderungen an monetäre Statistiken bereits jetzt oder werden sie im Laufe dieses Jahres erfüllen, und bei den Zinsstatistiken dürfte dies im Jahr 2004 erreicht werden. Doch nur sehr wenige nationale Zentralbanken sind derzeit in der Lage, vierteljährliche Finanzierungsrechnungen bereitzustellen. In diesem Bereich sind Verbesserungen dringend erforderlich, und ergänzend müssen vierteljährliche nichtfinanzielle Konten der Sektoren hinzukommen.

Das Memorandum of Understanding über Wirtschafts- und Finanzstatistiken zwischen der EZB und der Kommission kann den beitretenden Staaten bei der Organisation der Zusammenarbeit zwischen ihren nationalen statistischen Stellen auch als Orientierungshilfe dienen. Auch sollten die beitretenden Staaten im Zusammenhang mit dem Verfahren bei einem übermäßigen Defizit, das die nationalen statistischen Ämter – und gegebenenfalls die nationalen Zentralbanken – mit der Zusammenstellung der Statistiken zu den Staatsfinanzen betraut, den Kodex bewährter Vorgehensweisen für die Erhebung und Übermittlung von Daten übernehmen.

Eine weitere mittelfristige Priorität ist die Entwicklung eines statistischen Rahmens zur Abbildung der Finanzstabilität. Zentralbanken und Regierungen achten weltweit verstärkt auf makroökonomische und institutionelle Entwicklungen, die ein Risiko für die Stabilität des Finanzsystems darstellen könnten. Es sei daran erinnert, dass einer der Hauptgründe für die Errichtung einer Zentralbank ursprünglich in ihrer Funktion als Refinanzierungsinstitut letzter Instanz lag. Im Unterschied zum Ziel der monetären Stabilität – nämlich der Preisstabilität – ist der konzeptionelle und statistische Rahmen für das andere Ziel der Zentralbank, die Finanzmarktstabilität, noch weitgehend unterentwickelt.

Finanzstabilität ist für die EZB ein Zustand, in dem das Finanzsystem in der Lage ist, Schocks aufzufangen, ohne dass kumulative Prozesse einsetzen, die die Bereitstellung von Ersparnissen für Anlagemöglichkeiten und den Ablauf von Zahlungsvorgängen in der Wirtschaft behindern. Wir beschränken den Begriff Finanzstabilität daher nicht auf den Bankensektor, aber die Stabilität im Bankensektor ist entscheidend für die Solidität des gesamten Finanzsektors. Hier stützt sich die EZB auf systemweite Indikatoren, zum Beispiel für die Entwicklung der Kreditaggregate und der Wettbewerbsbedingungen. Viele dieser makroprudenziellen Indikatoren sind aus der konsolidierten Bankenstatistik abgeleitet. Auch Strukturindikatoren für den Bankensektor sind wichtige statistische Daten. Die Entwicklung harmonisierter Daten für die Bereiche Rentabilität, Qualität der Vermögenswerte und Eigenkapitalausstattung ist eine Herausforderung für einen multinationalen Wirtschaftsraum wie das Euro-Währungsgebiet.

Der statistische Rahmen zur Abbildung der Finanzstabilität befindet sich noch in der Planungsphase. In einer globalen Wirtschaft ist diese Arbeit am besten in enger Kooperation zwischen Zentralbanken, Regierungen und internationalen Finanzinstituten zu leisten. In diesem Zusammenhang sind die Initiativen des Internationalen Währungsfonds und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sehr willkommen.

Zwar sind die amtlichen Wirtschafts- und Finanzstatistiken, auf die sich die geldpolitische Strategie der EZB stützt, bereits recht gut entwickelt, dennoch ist die statistische Infrastruktur zur Abbildung der monetären Stabilität noch unvollständig. Vor allem fehlen vierteljährliche nach Wirtschaftssektoren untergliederte Konten für das Euro-Währungsgebiet. Sie werden die Konten und Bilanzen der privaten Haushalte, der finanziellen und nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften sowie des Staats erfassen und einschließlich ihrer Transaktionen mit Wirtschaftsakteuren außerhalb des Euroraums und des Auslandsvermögensstatus in einem konsistenten Rahmen abbilden. Die statistischen Konzepte selbst sind bereits vorhanden und im System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen von 1993 (SVG 1993) bzw. dem damit verwandten Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen von 1995 (ESVG 1995) beschrieben. Einige Teile der vierteljährlichen Konten für das Euro-Währungsgebiet sind bereits verfügbar, zum Beispiel die Tabelle über Geldvermögen, Geldvermögensbildung und Finanzierung nichtfinanzieller Sektoren im Euro-Währungsgebiet, die Zahlungsbilanz und die vierteljährlichen Daten zur Finanzlage der öffentlichen Haushalte. Um jedoch regelmäßig und nicht mehr als 90 Kalendertage nach dem Referenzquartal vollständige nach Wirtschaftssektoren untergliederte Konten für das Euro-Währungsgebiet zusammenstellen zu können, werden zusätzliche Anstrengungen auf europäischer und nationaler Ebene erforderlich sein.

Diese Konten für den gesamten Wirtschaftraum haben drei besonders wichtige Vorteile: Erstens werden Wirtschafts- und Finanzstatistiken unterschiedlicher Herkunft in einem einzigen Rahmen zusammengefasst, sodass ihre Zuverlässigkeit vergleichbar wird. Zweitens bieten die veröffentlichten Konten des Euroraums eine einzige und konsistente Sammlung makroökonomischer Informationen über den Wirtschaftsraum in seiner Gesamtheit einschließlich der außenwirtschaftlichen Beziehungen, aber untergliedert in gebietsansässige Wirtschaftszweige mit unterschiedlichen Funktionen und Verhaltensmustern. Drittens und vor allem lassen sich aus den Konten des Euroraums die Finanzierungsrechnung und die realwirtschaftliche Gesamtrechnung für den Sektor der privaten Haushalte ableiten, wo eine direkte Datenerhebung nicht möglich ist.

Die Interaktion zwischen den Sektoren der privaten Haushalte und der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften in einer so großen Marktwirtschaft wie dem Euroraum ist von zentraler Bedeutung für die Analyse und Projektion wirtschaftlicher Entwicklungen. Es ist wichtig, die Portfolioveränderungen in den Finanzierungssalden der Haushalte und ihre Verknüpfung mit Zinssatzbewegungen, Investitionen in Wohneigentum sowie Auswirkungen von Änderungen bei Steuern oder Sozialleistungen auf das verfügbare Einkommen und den Verbrauch der Haushalte zu verstehen. Ebenso wichtig ist es, bei der Finanzierung nichtfinanzieller Kapitalgesellschaften Schwerpunktverlagerungen zwischen Eigenmitteln und Fremdmitteln zu verstehen, ebenso wie die Unternehmensinvestitionen und die Rentabilität. Die Methode des Berichts zur Geldpolitik, den das Board of Governors des Federal Reserve System dem Kongress zweimal jährlich vorlegt, ist ein hervorragendes Beispiel für eine solche Analyse.

Die EZB und die Europäische Kommission haben eine gemeinsame, vom Rat der europäischen Wirtschafts- und Finanzminister der EU befürwortete Initiative in Angriff genommen, vierteljährliche Konten des Euroraums zu entwickeln, zu berechnen und spätestens ab 2005 zu veröffentlichen. Dies ist ein ehrgeiziges, aber auch sehr wichtiges Ziel.

Die in Wirtschaftszweige untergliederten Konten des Euroraums sind auch Bestandteil einer umfassenderen Initiative, welche die Wichtigsten Europäischen Wirtschaftsindikatoren unter Berücksichtigung des Prinzips "First for Europe" betrifft. Das Euro-Währungsgebiet ist ein multinationaler Wirtschaftsraum mit einer einheitlichen Geldpolitik. Qualitativ hochwertige Statistiken für das Euro-Währungsgebiet setzen daher Einigkeit über Prioritäten, Methoden und Zeitpläne für die Veröffentlichung und Revision bei allen Beteiligten voraus – bei Nutzern und Produzenten, der Europäischen Union und den teilnehmenden Ländern.

Die Wichtigsten Europäischen Wirtschaftsindikatoren umfassen eine Liste von Statistiken, zum Beispiel die monatlichen Verbraucherpreise, die vierteljährliche Statistik zur Finanzlage der öffentlichen Haushalte, monatliche und vierteljährliche Statistiken zur Konjunktur- und Arbeitsmarktlage sowie den monatlichen Außenhandel. Sie beziehen sich auf das Euro-Währungsgebiet und die Europäische Union als Ganzes und sind für die kurzfristige Analyse der Wirtschaft unverzichtbar. Die Wichtigsten Europäischen Wirtschaftsindikatoren folgen dem Beispiel des Statistiksystems der USA, wo im Jahr 1985 eine geänderte Richtlinie über die Berechnung der wichtigsten nationalen Wirtschaftsindikatoren in Kraft trat. Die Ziele der Wichtigsten Europäischen Wirtschaftsindikatoren für den Euroraum sind enger gefasst und sollen den in den Vereinigten Staaten geltenden Aktualitätsstandards nur in einigen Fällen entsprechen. Bei dem Vergleich der Statistiksysteme für die beiden Wirtschaftsräume ist allerdings das unterschiedliche institutionelle und politische Umfeld zu berücksichtigen. Während die meisten Statistiken für die USA im Wesentlichen Ergebnisse der Volkswirtschaft als Ganzes abbilden, werden die meisten WWU-Statistiken sowohl für den gesamten Euroraum als auch für die Mitgliedstaaten erstellt.

Das Prinzip "First for Europe" bedeutet, dass sich der Zeitplan für die Erstveröffentlichung und spätere Revisionen der Wichtigsten Europäischen Wirtschaftsindikatoren nach den Bedürfnissen der gesamteuropäischen Politik richtet und dass der Zeitplan für die Veröffentlichung der nationalen Beiträge ihm angepasst wird. Die erste, frühe Veröffentlichung der Wichtigsten Europäischen Wirtschaftsindikatoren sollte auf einer ausreichenden, aber nicht notwendigerweise vollständigen Erfassung der nationalen Beiträge beruhen. Im Idealfall sollte die Erstveröffentlichung der Daten für den Euroraum und für die wichtigsten Länder zeitgleich sein. Spätere Veröffentlichungen werden nach und nach alle Länder des Euroraums erfassen. Durch die Anwendung des Prinzips "First for Europe" wird die Öffentlichkeitsarbeit wesentlich leichter werden als in den ersten Jahren der gemeinsamen Geldpolitik, als viele monatliche und vierteljährliche Wirtschaftsindikatoren für das Euro-Währungsgebiet fast täglich implizit oder explizit geändert wurden. Die Veröffentlichung einer ersten Schätzung des BIP für das Euro-Währungsgebiet, gefolgt von entsprechenden Veröffentlichungen auf nationaler Ebene 45 Kalendertage nach dem Ende des Referenzquartals, ist ein gutes Beispiel für das Prinzip "First for Europe". Bei den monetären Aggregaten und den konsolidierten Bankbilanzen für das Euro-Währungsgebiet wird dieses Prinzip seit Beginn der Wirtschafts- und Währungsunion angewandt.

Amtliche Statistiken für eine globale Wirtschaft haben weltweit viele Nutzungsmöglichkeiten und viele Nutzer neben den Geldpolitikern. Einige dieser Nutzer sind ausgebildete Statistiker, doch die meisten befassen sich nur gelegentlich mit amtlichen Statistiken. Die wichtigsten Wirtschafts- und Finanzstatistiken haben, sobald sie veröffentlicht sind, Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Darüber hinaus liefern sie wichtige Informationen für das tägliche Leben. Wenn diese Informationen falsch sind oder falsch wahrgenommen werden, haben sie signifikante Wohlstandsverluste zur Folge. Die Verbreitung von Statistiken einschließlich ihrer Qualitätsindikatoren ist ebenso wichtig wie ihre Entwicklung und Erstellung.

Die moderne Website-Technik hat die zeitnahe Zugänglichkeit amtlicher Statistiken wesentlich verbessert. Viele Websites präsentieren statistische Tabellen auch zweisprachig, in der jeweiligen Landessprache und auf Englisch. Diese Entwicklung ist zwar sehr zu begrüßen, aber sie reicht nicht aus. Die Pressemitteilungen zum vierteljährlichen BIP und seinen Komponenten für das Euro-Währungsgebiet und die G7 – d. h. Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, die USA und das Vereinigte Königreich – können dies veranschaulichen. Die Pressemitteilungen sind nicht nur unterschiedlich zeitnah, umfassend und detailliert, sondern sie unterscheiden sich auch in der Methodik der Ermittlung des BIP und seiner Komponenten, der Darstellung der Wachstumsraten, der Beziehung zwischen nominalen und realen Aggregaten, der Revisionspolitik usw. Darüber hinaus werden für die veröffentlichten Daten nicht immer Qualitätsindikatoren angegeben, und wenn sie angegeben werden, sind sie für die G7-Länder unterschiedlich. Ein wichtiger Gesichtspunkt für die Beurteilung der Gesamtqualität der nationalen vierteljährlichen Konten ist die Zuverlässigkeit und Vollständigkeit der tatsächlichen Daten, auf denen sie beruhen. Einige Länder mögen tatsächliche Daten aus Umfragen und Quellen in der Verwaltung haben, die qualitativ hochwertiges Datenmaterial für einen signifikanten Anteil der BIP-Komponenten liefern. Andere verfügen vielleicht über weit weniger tatsächliche Daten und arbeiten mit Modelltechniken, wie sie für Prognosen angewandt werden. Informationen über die Menge tatsächlicher Daten, mit denen die ersten Schätzungen des BIP und seiner Komponenten berechnet werden, sind rar. Selbst der Vergleich und die Interpretation der vierteljährlichen BIP-Daten für die G7-Länder erfordert Zeit und Fachwissen.

Die Verbreitung von Statistiken – man könnte auch sagen, ihre Vermarktung – steckt noch in den Kinderschuhen. Da Statistiken ein öffentliches Gut sind, ist dies nicht überraschend. Die Generaldirektion Statistik der EZB hat die Verbreitung ihrer Statistiken als eine ihrer mittelfristigen Prioritäten identifiziert. Außerdem hat sie begonnen, Qualitätsindikatoren zu erarbeiten, insbesondere für Zahlungsbilanzen. Es wird einige Zeit in Anspruch nehmen, geeignete Indikatoren zu entwickeln und einzuführen. Auch hinsichtlich ihrer Verbreitung erfordern amtliche Statistiken für eine globale Wirtschaft – entwickelt und zusammengestellt für Entscheidungsträger, Märkte, Wissenschaftler und die breite Öffentlichkeit – einen gewissen Aufwand.

Weitere Themen für amtliche Statistiken in einer globalen Wirtschaft

Ich habe die Bedeutung amtlicher Wirtschafts- und Finanzstatistiken für Zentralbanken hervorgehoben und die mittelfristigen Prioritäten der EZB im Bereich Statistik umrissen. Wie in der Einleitung angekündigt, möchte ich nun drei weitere Themen für amtliche Statistiken in einer globalen Wirtschaft ansprechen. Erstens: Wie viele Statistiken brauchen wir oder, anders ausgedrückt, wie finden wir das richtige Gleichgewicht zwischen dem Nutzen und den Kosten neuer und bestehender Statistiken? Zweitens: In welcher Weise müssen die internationalen Standards, nach denen amtliche Statistiken für eine globale Wirtschaft erstellt werden, weiterentwickelt werden? Drittens: Amtliche Statistiken für eine globale Wirtschaft sind ein interessantes und lohnendes Gebiet für Forschung und Entwicklung.

Zwischen Nutzen und Kosten neuer und bereits verfügbarer Statistiken gilt es ein Gleichgewicht zu finden. Amtliche Statistiken kosten die Steuerzahler Geld. Darüber hinaus müssen die Berichtspflichtigen für deren Produktion Ressourcen einsetzen. Amtliche Statistiken haben somit – wenn auch in engen Grenzen – Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit einer Wirtschaft. Andererseits entstehen durch das Fehlen, die verspätete Bereitstellung oder die Fehlerhaftigkeit notwendiger Statistiken signifikante Wohlstandsverluste. Daher ist es von höchster Bedeutung, ein Verfahren einzurichten, mit dem der Nutzen und die Kosten für die Nutzer, die Produzenten und die Berichtspflichtigen abgewogen werden, wenn entschieden wird, ob eine neue Statistik eingeführt wird. Noch wichtiger ist es, die bestehenden Statistiken in gewissen Abständen zu überprüfen und zu entscheiden, welche von ihnen einzustellen sind. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Statistiken, die wir haben, nicht immer die richtigen sind.

Zwar gibt es viele nationale und internationale Nutzer, doch die wichtigsten unter ihnen müssen aktiv an der Entscheidungsfindung beteiligt werden. Nutzer werden ihren Bedarf an neuen und bestehenden Statistiken begründen und beide rangmäßig bewerten müssen. Die Fortführung amtlicher Statistiken, die nur ganz gelegentlich genutzt werden, ist zu überdenken. Darüber hinaus muss den Nutzern bewusst gemacht werden, dass neue Wirtschafts- und Finanzstatistiken mehrere Jahre Vorlaufzeit brauchen, ehe zuverlässige Ergebnisse veröffentlicht werden können. Die Produzenten müssen den Integrationsgrad der Statistiken verstärken. Nicht jedes neue politische Thema erfordert eine neue Statistik, die nur der Beantwortung einer einzigen Frage dient. Außerdem muss den Produzenten ein höheres Maß an Flexibilität zugestanden werden, um auf neue und wichtige politische Prioritäten wie die einheitliche Geldpolitik reagieren zu können. Dies impliziert auch ein ausreichendes Maß an Flexibilität in der Verwaltung der Humanressourcen. In Zukunft wird die Entwicklung, die kostensparende Zusammenstellung und Verbreitung amtlicher Statistiken für eine globale Wirtschaft nicht mehr Mitarbeiter, aber einen großen Anteil hochqualifizierter Mitarbeiter erfordern.

Die EZB hat ein internes Verfahren zur Kosten-Nutzen-Analyse für die Einführung neuer Finanzstatistiken eingerichtet. Auch befürwortet der Rat der Wirtschafts- und Finanzminister der EU eine Anpassung des Programms zur Datenübermittlung an die EU, die eine Beteiligung von Statistiknutzern und -produzenten vorsieht. Ich bin zuversichtlich, dass diese Verfahren die Verfügbarkeit der Statistiken, die gebraucht werden, verbessern und veraltete Prioritäten allmählich abbauen werden.

Je größer die Nachfrage nach amtlichen Statistiken für eine globale Wirtschaft ist, desto größer ist auch die Bedeutung internationaler Standards für die Erstellung von Statistiken. Der wichtigste unter ihnen ist das System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen von 1993 (SVG 1993) und seine europäische Version, das Europäische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen von 1995 (ESVG 1995), das in der Union aufgrund eines Rechtsakts umgesetzt wird.

Kürzlich wurde eine Revision des SVG 1993 eingeleitet, deren Ergebnisse um das Jahr 2008 erwartet werden. Die Überprüfung konzentriert sich derzeit auf einige methodologische Fragen, die angesichts neuer Entwicklungen der Klärung bedürfen. Ich möchte dennoch zwei andere wichtige Themen ansprechen. Das SVG 1993 wurde von Statistikproduzenten entwickelt und geschrieben. Damals war dies notwendig, um ein in sich konsistentes und gleichzeitig praktikables System einzurichten. Nun, da das System existiert und in der Praxis genutzt wird, ist es nicht mehr angezeigt, die Weiterentwicklung der Konzepte, auf denen Wirtschafts- und Finanzstatistiken beruhen, auf Produzenten allein zu beschränken. Die Neufassung des SVG 1993 muss auch einen Nutzeranteil enthalten. Dies kann zum Beispiel die Terminologie verbessern helfen: Die derzeitige Terminologie verwendet recht detaillierte und genaue Überschriften, die implizieren, dass die SVG-Terminologie sich nicht mit den sonst üblichen Wirtschaftsbegriffen deckt, und die im Textfluss einer Statistikanalyse umständlich wirken. Darüber hinaus könnte es eine Bereicherung für das SVG sein, mehr Definitionen wichtiger Wirtschaftsindikatoren aufzunehmen. Einige Beispiele sind "Einnahmen und Ausgaben der öffentlichen Haushalte", "Steuerbelastung", "Rentabilität der Unternehmen" und "Verschuldung des nichtfinanziellen privaten Sektors". Darüber hinaus bezieht sich das SVG auf eine nationale Volkswirtschaft. Für die Erfassung eines multinationalen Wirtschaftsraums wie der WWU ist das SVG zu erweitern.

Eine engere Abstimmung zwischen den internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen und den internationalen Statistiksystemen ist sehr wünschenswert. Trotz einiger Unterschiede ist es eindeutig von Vorteil, die internationalen Standards für die Statistik und die Rechnungslegung so weit wie nur möglich zu harmonisieren. Dies wird die Nutzung derselben Ursprungsdaten für mehrere Zwecke ermöglichen, sodass die Zuverlässigkeit makroökonomischer Statistiken steigt und die Belastung der Unternehmen durch statistische Meldungen reduziert wird. Für den staatlichen Sektor sind ähnliche Konsistenz- und Effizienzgewinne möglich. In diesem Zusammenhang beteiligt sich die Generaldirektion Statistik der EZB an einer internationalen Initiative zur Harmonisierung staatlicher Rechnungslegungspraktiken mit internationalen Standards für die Erstellung von Statistiken. Statistiker sollten sich generell aktiv an Diskussionen über Rechnungslegungsgrundsätze beteiligen, um unnötige Abweichungen zwischen diesen und den Anforderungen der Statistik zu vermeiden.

Mein drittes Thema betrifft den Bereich der Wissenschaft. Wirtschafts- und Finanzstatistiken, und insbesondere die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, sind ein integraler Bestandteil des Faches Volkswirtschaft, so wie Buchhaltung ein integraler Bestandteil des Faches Betriebswirtschaft ist. Es ist erstaunlich, dass zumindest in Europa die Zahl der Graduierten und Postgraduierten mit einer fortgeschrittenen Ausbildung in Wirtschafts- und Finanzstatistik nicht nur unzureichend, sondern sogar rückläufig ist. Die wachsende Bedeutung amtlicher Statistiken für eine globale Wirtschaft muss sich in den Studiengängen besser widerspiegeln. Für Wissenschaftler könnte es auch attraktiv sein, zur Weiterentwicklung und Anwendung internationaler Standards für die Erstellung von Statistiken und ihrer Harmonisierung mit den internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen, zu einer besseren Präsentation von Statistiken einschließlich der Entwicklung von Qualitätsindikatoren oder zu einer effizienteren Bereitstellung von Daten des Euroraums beizutragen. Eine enge Zusammenarbeit mit einer ausgewählten Gruppe interessierter Wissenschaftler an vorderster Front der amtlichen Statistik für eine globale Wirtschaft wird der Generaldirektion Statistik der EZB eine Freude sein.

Schluss

Die Entwicklung der europäischen Wirtschafts- und Finanzstatistiken während der letzten zehn Jahre ist so beachtlich, dass ich versucht bin, von einer "stillen Revolution" zu sprechen. Ich würde sogar sagen, dass die Europäische Währungsunion selbst ohne diese Entwicklungen im Bereich der Statistik nicht möglich wäre. Doch nun muss sich diese stille Revolution auf internationaler Ebene fortsetzen. Das Ziel wäre letztlich, zwischen den großen Wirtschaftsräumen einen ähnlichen Harmonisierungsgrad wie innerhalb dieser Wirtschaftsräume zu erreichen. Dies mag in der Tat wie eine revolutionäre Errungenschaft anmuten, aber ich möchte hinzufügen, dass es für eine wirklich integrierte internationale Gemeinschaft auch unabdingbar ist.

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