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Isabel Schnabel
Member of the ECB's Executive Board
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Made in Europe

Rede von Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, beim Reinoldimahl der Reinoldigilde in Dortmund

Dortmund, 8. Mai 2026

Wir leben in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche. Der technologische Fortschritt beschleunigt sich, während fundamentale geopolitische Verschiebungen jene Regeln außer Kraft setzen, die über Jahrzehnte hinweg globales Wachstum, Handel und Sicherheit bestimmt haben.

In dieser polarisierten Welt wird Europa oft als ein Kontinent im Niedergang dargestellt: eingezwängt zwischen geopolitischen Rivalen, ausgebremst durch übermäßige Regulierung und kaum in der Lage, mit dem rasanten technologischen Wandel Schritt zu halten.

Ich möchte Sie heute Abend davon überzeugen, dass dieses Narrativ – so bestechend einfach es auch sein mag – in die Irre führt.

Denn nach vielen Maßstäben gehört Europa zu den Regionen mit der höchsten Lebensqualität, getragen von starken Institutionen, einem hohen Maß an sozialer Absicherung und einer außergewöhnlichen Fähigkeit, sich in Krisenzeiten anzupassen.

Auf diesen Grundlagen kann Europa aufbauen und stärker werden.

Ich werde erläutern, dass der Schlüssel darin liegt, das volle Potenzial des europäischen Binnenmarkts – einer unserer größten Stärken – auszuschöpfen, um das zu erreichen, was Europa heute fehlt: nicht Talente, nicht Ideen, nicht Forschung – sondern Skalierung.

Ein 28. Regime, wie es kürzlich von der Europäischen Kommission vorgeschlagen wurde, könnte in dieser Hinsicht ein echter Wendepunkt sein.

Indem es Unternehmen nahtlosen Zugang zum gesamten europäischen Markt gewährt, würde es die notwendige Größe schaffen, um Innovation in wirtschaftliches Wachstum zu verwandeln. Es würde Europa ermöglichen, als eine Volkswirtschaft – statt als 27 einzelne – zu konkurrieren und dazu beitragen, etwas zu schaffen, das Europa lange gefehlt hat: eine echte Marke „Made in Europe“.

Europa als Vorreiter bei Lebensqualität und Demokratie

Europa sticht weltweit durch seine hohe Lebensqualität hervor – ein Erfolg, der auf starken wirtschaftlichen, sozialen und institutionellen Grundlagen beruht.

Zufriedenheit und Lebensglück liegen in Europa seit Jahren auf einem der höchsten Niveaus weltweit (Folie 2). Das liegt nicht allein am materiellen Wohlstand. Es ist das Ergebnis einer Gesellschaft, die ihren Bürgerinnen und Bürgern Sicherheit und Verlässlichkeit bietet, um ein erfülltes Leben zu führen.

Soziale Sicherungssysteme, eine funktionierende Infrastruktur, hochwertige öffentliche Bildung und die Unterstützung von Familien tragen dazu bei, wirtschaftlichen Wohlstand in spürbare Verbesserungen im Alltag der Menschen zu übersetzen.[1]

Besonders aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang die Gesundheitsindikatoren.

Ein Kind, das heute in Spanien oder Italien zur Welt kommt, kann damit rechnen, mehr als fünf Jahre länger zu leben als ein Kind, das in den Vereinigten Staaten geboren wird (Folie 3) – und das, obwohl die Vereinigten Staaten einen deutlich höheren Anteil ihres Bruttoinlandsprodukts für Gesundheitsausgaben aufwenden als jede andere entwickelte Volkswirtschaft.

Selbst unter den wohlhabendsten Amerikanern liegen die Sterblichkeitsraten lediglich auf dem Niveau der ärmsten Bevölkerungsgruppen in Teilen Europas.[2] Allerdings schneidet auch Deutschland bei diesem Kriterium nicht besonders gut ab.

Europäer profitieren zudem von starken Institutionen. Ein wachsender Anteil der Weltbevölkerung lebt mittlerweile faktisch unter autokratischer Herrschaft, und Angriffe auf demokratische Freiheiten nehmen in besorgniserregendem Tempo zu (Folie 4).

Vor diesem Hintergrund bilden Europas fortwährendes Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit sowie zur Gewaltenteilung und institutionellen Kontrollmechanismen das Fundament für Vertrauen und politische Glaubwürdigkeit, während unabhängige Medien gleichzeitig für Rechenschaft und Transparenz sorgen.

Diese Institutionen und Prinzipien geben den Menschen Zuversicht – in ihre Zukunft ebenso wie in die Fairness der Gesellschaft, selbst in Zeiten großer Herausforderungen.

Die transatlantische Wohlstandslücke: mehr Freizeit und weniger Ungleichheit

Europa hat im Laufe seiner Geschichte immer wieder bewusste Entscheidungen getroffen, was für eine Gesellschaft es sein möchte. Diese Entscheidungen haben das Leben der Menschen verbessert – aber sie haben gleichzeitig das reale, also das um die Kaufkraft bereinigte, Bruttoinlandsprodukt pro Kopf gedämpft, einen der am häufigsten verwendeten Indikatoren für wirtschaftlichen Wohlstand.

Nach diesem Maßstab liegt der Euroraum hinter vielen anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften (Folie 5).[3]

Ein Teil dieses Unterschieds erklärt sich daraus, dass einige Volkswirtschaften des Euroraums – vor allem in Osteuropa – wirtschaftlich noch aufholen. Diese Länder wachsen meist schnell, doch ihre Einkommen liegen weiterhin unter dem Durchschnitt des Euroraums, was den Gesamtwert nach unten zieht.

Dennoch verbleibt selbst für die stärker entwickelten Volkswirtschaften des Euroraums – auch für Deutschland – eine beträchtliche Lücke. Um diese richtig einzuordnen, bedarf es einer sorgfältigen Analyse entlang dreier Dimensionen.[4]

Erstens erklärt sich ein erheblicher Teil der Einkommenslücke durch weniger geleistete Arbeitsstunden – und nicht durch eine geringere Produktivität.

Im Durchschnitt arbeitet eine Beschäftigte oder ein Beschäftigter in den Vereinigten Staaten rund 40 Tage mehr pro Jahr als im Euroraum (Folie 6, linke Seite).[5]

Ein einfaches Gedankenexperiment zeigt: Würden Europäer genauso viele Stunden arbeiten wie Amerikaner – bei unveränderter Stundenproduktivität und Beschäftigungsquote –, läge das reale Pro-Kopf-Einkommen im Euroraum um 21% höher.[6] Damit würden etwa zwei Drittel der derzeitigen Einkommenslücke zu den Vereinigten Staaten geschlossen (Folie 6, rechte Seite).[7]

Ein erheblicher Teil der beobachteten Unterschiede bei den relativen Einkommen spiegelt somit Präferenzen und institutionelle Rahmenbedingungen wider. Kürzere Arbeitswochen, großzügigere Urlaubsregelungen und ein höherer Anteil an Teilzeitarbeit in Europa sind das Ergebnis institutioneller, sozialer und individueller Entscheidungen.

Zweitens ist das Wachstum in Europa inklusiver.

Das reale Pro-Kopf-Einkommen ist ein Durchschnitt über Regionen, Personen und Sektoren. Sehr hohe Einkommen an der Spitze können diesen Durchschnitt nach oben verzerren.

In den Vereinigten Staaten entfallen heute rund 37% des verfügbaren Einkommens nach Steuern auf die obersten 10% der Einkommensbezieher – ein deutlicher Anstieg seit 1980 (Folie 7, linke Seite).[8] Im Euroraum liegt dieser Anteil im Durchschnitt deutlich niedriger, bei etwa 27%.

Das bedeutet, dass in den Vereinigten Staaten ein erheblicher Teil des Einkommens bei 90% der Bevölkerung gar nicht ankommt. Die typische Amerikanerin oder der typische Amerikaner lebt wirtschaftlich gesehen eher in einer 45.000 als in einer 67.000 Dollar-Ökonomie.[9]

Dieser Unterschied hängt auch damit zusammen, dass Einkommenszuwächse zunehmend in bestimmten Sektoren und Regionen konzentriert sind.

Seit dem Jahr 2000 entfiel in den Vereinigten Staaten mehr als ein Viertel des gesamten Wachstums der Wertschöpfung je Beschäftigten auf den Informations- und Kommunikationssektor – eine Branche, die weniger als 2% der Gesamtbeschäftigung ausmacht (Folie 7, rechte Seite).

Da sich die enorme Expansion großer Technologieunternehmen auf wenige US-Bundesstaaten konzentriert hat, fiel die wirtschaftliche Entwicklung im typischen US-Bundesstaat deutlich moderater aus – selbst wenn das aggregierte Bruttoinlandsprodukt pro Kopf stark gestiegen ist.

Tatsächlich entwickelte sich das reale Pro-Kopf-Einkommen im mittleren US-Bundesstaat und im mittleren Land des Euroraums weitgehend im Gleichschritt (Folie 8). In den letzten Jahren hat das Wachstum im mittleren Land des Euroraums dasjenige in den USA sogar leicht übertroffen.

Herkömmliche Vergleiche des Pro-Kopf-Einkommens überschätzen daher die Unterschiede im Lebensstandard zwischen den Vereinigten Staaten und dem Euroraum. Denn das europäische Modell sieht geringere Arbeitszeiten, einen ausgeprägteren Sozialstaat und eine geringere Ungleichheit vor als das US-amerikanische.

Doch um diese Vorteile zu bewahren, braucht Europa nachhaltiges Wachstum. Und genau dieses Wachstum wird durch das anhaltend schwache Produktivitätswachstum im Euroraum gefährdet – das ist die dritte Dimension.

In den vergangenen drei Jahrzehnten ist die Produktivität – also die Produktion pro Arbeitsstunde – weniger gestiegen als in vielen vergleichbaren Volkswirtschaften. Gründe hierfür sind unter anderem geringere Investitionen, kleinere Unternehmensgrößen sowie eine langsamere Verbreitung technologischer Innovationen (Folie 9).[10]

Diese Divergenz im Produktivitätswachstum hat im Zeitverlauf zu einer zunehmenden Lücke beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf geführt. Da nachhaltige Verbesserungen des Lebensstandards maßgeblich vom Produktivitätswachstum abhängen, hat das Schließen dieser Lücke zu Recht eine hohe Priorität auf der wirtschaftspolitischen Agenda Europas.[11]

Der aufstrebende Süden: vom Krisenfall zum Wachstumstreiber

Die positiven Effekte einer entschlossenen Strukturpolitik sind in Teilen der Währungsunion klar erkennbar.

Ein Blick auf den Süden des Euroraums verdeutlicht dies.

Vor einem Jahrzehnt stand diese Region für Krisen, Austerität und eine rasant zunehmende Arbeitslosigkeit. Heute zählen diese Länder zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Europas (Folie 10, linke Seite).

Sie ziehen Rekordinvestitionen an (Folie 10, rechte Seite), die Arbeitslosigkeit geht in beeindruckendem Tempo zurück (Folie 11, linke Seite), und die Finanzierungsbedingungen sind – relativ zu Deutschland – so günstig, wie sie es seit der globalen Finanzkrise 2008 kaum waren. Diese Entwicklungen spiegeln sowohl wirtschaftliche Konvergenz als auch eine vertiefte finanzielle Integration wider (Folie 11, rechte Seite).

Infolgedessen konnten diese Volkswirtschaften fiskalischen Spielraum schaffen, um Defizite zu reduzieren, ohne dabei die konjunkturelle Erholung zu bremsen. Das hat die Haushaltskonsolidierung unterstützt und die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen verbessert (Folie 12, linke Seite).

Zu einem großen Teil beruht die derzeitige Dynamik in der südlichen Peripherie auf einer nachhaltigen Verbesserung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Nach Einschätzung der Europäischen Kommission dürfte das Potenzialwachstum in Spanien, Portugal und Griechenland in den kommenden Jahren spürbar über dem Durchschnitt des Euroraums liegen (Folie 12, rechte Seite).

Spanien hat sich beispielsweise zu einem europäischen Vorreiter im Bereich erneuerbarer Energien entwickelt. Infolgedessen sind die Großhandelspreise für Strom deutlich gesunken, was das Land zu einem europäischen Zentrum für die energieintensiven Industrien der Zukunft gemacht hat.[12]

Irland wiederum ist zu einem globalen Hotspot für Technologie-, Pharma- und Life-Sciences-Unternehmen geworden. Es bietet eines der dynamischsten Umfelder für Unternehmen und weist den höchsten Anteil von Studierenden in den Fächern Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik in der EU auf.

Diese Transformation ist das Ergebnis gezielter politischer Entscheidungen und gesellschaftlicher Resilienz. Die betroffenen Länder durchliefen im Zuge des Strukturwandels schmerzhafte Anpassungen, die von der Bevölkerung mitgetragen wurden.

In gewisser Weise ist dies auch eine europäische Erfolgsgeschichte.

Durch Instrumente wie „Next Generation EU“ wurden erhebliche gemeinsame Mittel mobilisiert, um Investitionen zu fördern, Reformen zu beschleunigen und das Wachstumspotenzial in Ländern zu stärken, die nur begrenzten fiskalischen Spielraum hatten, um die Folgen der COVID-19-Pandemie zu bewältigen.

Stagnierendes Deutschland: Warum das exportorientierte Modell an seine Grenzen stößt

Das Narrativ, Europa falle wirtschaftlich zurück, hält also in großen Teilen der Währungsunion einer genaueren Betrachtung nicht stand.

Heutzutage ist ein wirtschaftlicher Gegenwind vor allem im traditionellen Kern des Euroraums zu spüren – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

In Frankreich sind die Bemühungen zur Reduzierung des Haushaltsdefizits aufgrund des politischen Widerstands ins Stocken geraten. Eine nachhaltige Konsolidierung wird davon abhängen, die Balance zwischen Ausgabendisziplin und wachstumsfördernden Maßnahmen zu wahren – ein Vorhaben, das schwierige politische Kompromisse erfordert.

Andere nord- und mitteleuropäische Länder wie Finnland und Österreich hatten Schwierigkeiten, nach der Pandemie wieder an Dynamik zu gewinnen.

Im Fokus steht jedoch vor allem Deutschland, das seit Jahren mit einer Wachstumsschwäche kämpft. Zwischen 2019 und 2024 ist das reale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf um 1,5% gesunken.

Hinter dieser Entwicklung steht ein Bündel an hemmenden Faktoren.

Der demografische Wandel dämpft zunehmend das Potenzialwachstum und belastet damit auch die Tragfähigkeit der sozialen Sicherungssysteme (Folie 13, linke Seite). Die Energiekosten lagen bereits vor dem Anstieg der Öl- und Gaspreise infolge des Konflikts im Nahen Osten über dem Niveau vor der Pandemie. Und sowohl Protektionismus als auch der verschärfte globale Wettbewerb – vor allem aus China – treffen Deutschland in besonderem Maße (Folie 13, rechte Seite).

Da sich das Exportwachstum abgeschwächt hat, wird die wirtschaftliche Schwäche Deutschlands häufig allein auf eine nachlassende Wettbewerbsfähigkeit zurückgeführt. Zwar spielt dies eine gewisse Rolle, doch die Erosion von Exportmarktanteilen als Hauptursache der Stagnation zu betrachten, greift zu kurz.

Tatsächlich hat Deutschlands Exportentwicklung vor der Pandemie seine Wettbewerber nicht deutlich übertroffen, ebenso wenig ist sie seither wesentlich hinter ihnen zurückgeblieben (Folie 14, linke Seite).[13] In den vergangenen zehn Jahren haben sich die realen Güterexporte weitgehend im Einklang mit dem globalen Konjunkturzyklus entwickelt.

Deutschland verzeichnete zudem auch in Zeiten sehr hoher Handelsüberschüsse kein besonders starkes Wachstum. Im Durchschnitt wuchs die Wirtschaft zwischen 1999 und 2019 lediglich um 1,4% pro Jahr – weniger als in den meisten anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften (Folie 14, rechte Seite).

Das zentrale Defizit ist daher weder ein Einbruch der ausländischen Nachfrage noch eine außergewöhnliche Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit.[14]

Vielmehr handelt es sich um eine anhaltende Schwäche der Binnennachfrage, die die deutsche Wirtschaft anfälliger für externe Krisen macht als andere Länder. Gerade in einer zunehmend fragmentierten Welt ist das exportgetriebene Wachstumsmodell nicht mehr tragfähig.

Seit 1999 ist der reale private Konsum in Deutschland im Durchschnitt um weniger als 1% pro Jahr gewachsen – deutlich langsamer als in den meisten anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Dies hängt auch mit den Reformen der frühen 2000er Jahre zusammen, die das reale Lohnwachstum bewusst gedämpft haben (Folie 15, linke Seite).

Diese Politik führte zu einer sinkenden Lohnquote bei gleichzeitig steigenden Unternehmensgewinnen und Ersparnissen – eine Entwicklung, die sich unmittelbar im massiven Anstieg des deutschen Leistungsbilanzüberschusses niederschlug (Folie 15, rechte Seite).[15]

Da die inländischen Investitionen verhalten blieben, wurden diese Ersparnisse im Wesentlichen ins Ausland exportiert und finanzierten dort Wachstum.[16]

Hätten deutsche Haushalte und Unternehmen in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr konsumiert und investiert, wäre der Handelsüberschuss geringer ausgefallen – das Wirtschaftswachstum wäre aber vermutlich stärker und ausgewogener gewesen.

Auch heute übersteigt der deutsche Leistungsbilanzüberschuss deutlich das Niveau, das durch ökonomische Fundamentaldaten gerechtfertigt wäre. Schätzungen der Europäischen Kommission zufolge läge ein „angemessener“ Überschuss bei etwa 1,2% des Bruttoinlandsprodukts – also nur ein Bruchteil des aktuellen Wertes.[17]

Kluge Fiskalpolitik und strukturelle Reformen können das Potenzialwachstum stärken

Die deutsche Bundesregierung hat Maßnahmen angekündigt, um dieses makroökonomische Ungleichgewicht und den Rückgang des Potenzialwachstums anzugehen.

Ein zentrales Instrument ist dabei die Finanzpolitik. Der geplante fiskalische Impuls ist der größte seit dem Zweiten Weltkrieg und – sofern die Mittel effizient eingesetzt werden – ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Gezielte öffentliche Investitionen in die Infrastruktur, die Unterstützung der grünen und digitalen Transformation sowie Maßnahmen zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands können nicht nur die Binnennachfrage beleben, sondern auch die Angebotsseite stärken und damit die deutsche Wirtschaft aus der Stagnation führen.

Die aktuelle geopolitische Zuspitzung im Nahen Osten unterstreicht einmal mehr die Dringlichkeit, die strategische Autonomie im Bereich der Verteidigung und der Energie entschlossen voranzutreiben.

Höhere öffentliche Ausgaben können – wenn sie klug eingesetzt und von strukturellen Reformen begleitet werden – das Potenzialwachstum steigern und private Investitionen anstoßen.

Dieser Kanal ist für Deutschland von besonderer Bedeutung, da Unternehmen historisch häufig auf steigende Energiekosten und übermäßige Bürokratie mit einer Verlagerung der Produktion ins Ausland reagiert haben. Dies zeigte sich in den vergangenen Jahren in den stark gestiegenen deutschen Direktinvestitionen im Ausland (Folie 16, linke Seite).

Mit anderen Worten: Die Investitionslücke im Inland ist nicht auf einen Mangel an rentablen Investitionsmöglichkeiten deutscher Unternehmen zurückzuführen – sie ist das Ergebnis einer Allokationsentscheidung. Deutschlands industrielles Know-how ist nach wie vor beeindruckend, doch das Kapital ist äußerst mobil.

Die sogenannten „Hidden Champions“ – hochspezialisierte Unternehmen, die in globalen Nischen führend sind – bleiben innovativ und expandieren weiter. Nach aktuellen Schätzungen beherbergt Deutschland noch immer nahezu die Hälfte aller Hidden Champions weltweit – mehr als die Vereinigten Staaten, China und Japan zusammen (Folie 16, rechte Seite).[18]

Mit einer ambitionierten Reformagenda und einer entschlossenen Investitionsoffensive kann Deutschland mehr privates Kapital, Innovation und Wachstum im eigenen Land verankern.

Dank seiner soliden fiskalischen Ausgangslage verfügt Deutschland über den nötigen Spielraum für eine solche Strategie – vor allem dann, wenn die Maßnahmen dazu beitragen, den langfristigen Rückgang des Potenzialwachstums umzukehren. In diesem Fall würden die zusätzlichen Ausgaben die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen nicht schwächen, sondern stärken – mit positiven Ausstrahlungseffekten auf den gesamten Euroraum.

Europa mangelt es nicht an Ideen, sondern an Skalierung: das Argument für ein 28. Regime

Alles in allem unterstreichen diese Punkte die zentrale Botschaft: Der Blick auf Europa sollte von Zuversicht geprägt sein – nicht weil die Herausforderungen gering wären, sondern weil Europa die Fähigkeiten und Instrumente besitzt, ihnen zu begegnen.

Europa verfügt über ein enormes Reservoir an Talenten, Ideen und Forschungskapazitäten. In absoluten Zahlen gemessen veröffentlicht die EU in allen großen Fachgebieten mehr wissenschaftliche Arbeiten als die Vereinigten Staaten und bewegt sich auf Augenhöhe mit China (Folie 17).[19] Zudem entstehen in Europa jedes Jahr mehr Start-ups als in den Vereinigten Staaten.

Auch im globalen Wettbewerb um die Vorherrschaft bei der Künstlichen Intelligenz (KI) ist Europa keineswegs abgehängt. Die Geschichte zeigt, dass der Großteil der Produktivitätsgewinne früherer Basistechnologien nicht aus ihrer Erfindung resultierte, sondern vielmehr aus der systematischen Anwendung der Technologien über alle Wirtschaftszweige hinweg.[20]

Europa verfügt über bedeutende Schlüsselbranchen – die Industrie, den Energiesektor, das Gesundheitswesen sowie den öffentlichen Sektor –, in denen der Einsatz von KI erhebliche Produktivitätsgewinne ermöglichen kann.

Tatsächlich hat sich die Produktivitätslücke zu den Vereinigten Staaten bereits seit Beginn der 2000-er Jahren vergrößert – aber nicht weil Europa keine Innovation betrieben hätte, sondern weil sich neue Informations- und Kommunikationstechnologien zu langsam verbreiteten.[21]

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Investitionen in solche Technologien hohe Fixkosten und organisatorische Anpassungen erfordern, die US-Unternehmen – in einem großen, integrierten US-Markt – auf eine breitere Kundenbasis verteilen konnten.

In den Vereinigten Staaten entfallen nahezu 60% der Gesamtbeschäftigung auf Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. In vielen Ländern des Euroraums liegt dieser Anteil näher bei 20%.

Mit anderen Worten: Europas Problem ist fehlende Skalierung.[22]

Trotz jahrzehntelanger Integration behindern regulatorische und administrative Hürden weiterhin den freien Verkehr von Dienstleistungen und Waren im Binnenmarkt.

Diese internen Barrieren entsprechen Schätzungen zufolge Zöllen von 96% im Dienstleistungssektor und 67% im Warenhandel (Folie 18).[23] In einigen Branchen, etwa der Lebensmittelproduktion oder dem Baugewerbe, sind die Hürden sogar noch höher.

Infolgedessen ist der Handel im Dienstleistungssektor, der rund 75% der gesamten Bruttowertschöpfung ausmacht, innerhalb der EU nicht höher als der Handel mit Drittstaaten.

Zahlreiche Vorschläge zum Abbau dieser internen Barrieren liegen bereits auf dem Tisch – von einer tieferen Integration der Kapitalmärkte bis hin zu einer gemeinsamen europäischen Infrastruktur in den Bereichen Energie, Verteidigung und Digitalisierung.[24]

Die wohl wirkungsvollste Idee ist die Schaffung eines sogenannten 28. Regimes: einer einheitlichen europäischen Rechtsform, die Unternehmen aller Größen und Branchen offensteht.

Über Jahrzehnte hinweg basierte der Ausbau des Binnenmarktes primär auf der schrittweisen Harmonisierung der 27 nationalen Rechtssysteme. In vielen Bereichen hat dieser Ansatz gut funktioniert. In anderen stößt er jedoch an seine Grenzen – wie die zunehmende „Übererfüllung“, das sogenannte Gold-Plating, bei der Umsetzung von EU-Richtlinien zeigt.

Gerade Unternehmensgründer sehen sich noch immer mit einem komplexen Geflecht aus Rechtssystemen, Gesellschaftsformen und Regulierungen konfrontiert. Diese Fragmentierung wirkt wie eine interne Zollmauer: Sie macht grenzüberschreitende Expansion kostspielig und schwierig – insbesondere in kleinere Länder – und bremst so Wachstum und Innovation.

Die Folge ist, dass viele europäische Unternehmen vergleichsweise klein bleiben, während sich vielversprechende Start-ups oft schon in der frühen Wachstumsphase dazu entscheiden, in die Vereinigten Staaten abzuwandern.

Tatsächlich werden auffällig viele Unternehmen nicht nach europäischem Recht gegründet, sondern als Delaware-Gesellschaften – oft lange bevor sie überhaupt eine nennenswerte Präsenz in den Vereinigten Staaten haben. Entsprechend viele sogenannte „Unicorns“ in den USA haben europäische Gründer.

Das ist kein Zufall. Die Gründung eines Unternehmens im US-Bundesstaat Delaware dauert nur wenige Tage, manchmal sogar nur Stunden, und ist mit sehr geringen Kosten verbunden. Der rechtliche Rahmen ist standardisiert und bietet hohe Planungssicherheit, was ihn für internationale Investoren unmittelbar attraktiv und verständlich macht.

Demgegenüber erfordert Wachstum in Europa nach wie vor eine rechtliche „Neuerfindung“ in jedem einzelnen Land – mit aufwendigen Notarverfahren und fragmentierten Unternehmensregistern.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Während eine Finanzierung in Europa in der Gründungsphase vergleichsweise leicht verfügbar ist, wird sie in späteren Wachstumsphasen und beim sogenannten Exit – also dem Börsengang – deutlich schwieriger.

Börsengänge erzielen häufig weniger attraktive Bewertungen, da es an ausreichend liquiden Kapitalmärkten mangelt – was junge europäische Unternehmen dazu veranlasst, sich woanders nach einer Finanzierung umzusehen.

Die Konsequenz ist, dass Europa zwar sehr erfolgreich darin ist, Ideen hervorzubringen und Start-ups zu gründen – es hat jedoch Schwierigkeiten, diese Unternehmen auch in ihrer Wachstumsphase in Europa zu halten.

Wie ein 28. Regime Innovation und Produktivität stärken kann

Ein 28. Regime kann genau hier ansetzen.[25]

Das Konzept ist einfach: Im Rahmen eines solchen Regimes könnte sich ein Unternehmen als echte europäische Gesellschaft gründen – die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat dies als „EU Inc.“ bezeichnet.[26]

Ein solches Unternehmen würde auf der Grundlage eines einheitlichen Regelwerks operieren – etwa in Bezug auf zentrale Elemente des Gesellschaftsrechts, der Unternehmensführung, der Aktionärsrechte und der finanziellen Mitarbeiterbeteiligung.

Der Gründungsprozess wäre schnell, kostengünstig und vollständig digital. Die Teilnahme wäre freiwillig, und das Regime stünde Unternehmen aller Größen und Branchen offen.

Gerade diese Offenheit ist entscheidend.

Es ist weder möglich noch sinnvoll vorherzusagen, welche Technologien, Unternehmen oder Branchen künftig das Wachstum Europas tragen werden. Und es wäre kontraproduktiv, das Regime auf junge Unternehmen zu beschränken – denn sein eigentlicher Zweck besteht ja gerade darin, Unternehmen beim erfolgreichen Wachstum zu unterstützen.

Indem es Unternehmen einen wirklich europäischen Rechtsrahmen bietet, würde das 28. Regime die Hürden für grenzüberschreitende Aktivitäten senken, den Zugang zu Kapital erleichtern, Talente anziehen und innovativen Firmen ermöglichen, schneller innerhalb der Union zu skalieren.

Damit dies gelingt, kommt der rechtlichen Ausgestaltung eine zentrale Bedeutung zu.

Der Vorschlag der Europäischen Kommission wählt zu Recht die Form einer EU-Verordnung, die unmittelbar in allen Mitgliedstaaten gilt. So wird verhindert, dass am Ende 27 unterschiedliche Varianten des 28. Regimes entstehen – und damit genau jene Fragmentierung fortbesteht, die eigentlich überwunden werden soll.[27] Entscheidend ist nun, dass der Vorschlag im Gesetzgebungsprozess nicht verwässert wird.

Ein 28. Regime würde die nationalen Systeme ergänzen, nicht ersetzen. Es ist kein Versuch, Arbeitsmärkte oder soziale Sicherungssysteme zu harmonisieren – diese verbleiben in der Zuständigkeit der Mitgliedstaaten.

Ebenso wenig ist es eine Hintertür für eine Steuerharmonisierung: Körperschaftsteuersätze, Bemessungsgrundlagen und andere Aspekte der Finanzpolitik würden weiterhin von den einzelnen Staaten festgelegt.[28]

Das Ziel ist enger gefasst, nämlich unnötige rechtliche Fragmentierung und Unsicherheit für Unternehmen abzubauen, die grenzüberschreitend expandieren wollen, und europäische Unternehmen für globales Venture Capital, Private Equity und institutionelle Investoren ebenso attraktiv zu machen, wie es heute die Delaware-Gesellschaften sind.

Das 28. Regime könnte so dazu beitragen, dass die nächste Generation europäischer Unternehmen auch europäisch bleibt – nicht nur als Ort der Entstehung von Ideen, sondern auch als Ort der Wertschöpfung.

Ein 28. Regime würde Innovation fördern und letztlich das Produktivitätswachstum stärken – die Achillesferse Europas. Dieses neu zu beleben, ist entscheidend, um Wohlstand in einer alternden Gesellschaft und in einer zunehmend fragmentierten Welt zu sichern.

Fazit

Ich möchte mit einem einfachen Gedanken schließen: Europa ist ein Kontinent mit enormem Potenzial.

Trotz der gewaltigen Herausforderungen, vor denen wir stehen, bleibt Europa einer der wohlhabendsten und innovativsten Wirtschaftsräume, geprägt von einer weltweit beispielhaften sozialen Kohäsion. Europa nimmt bei der Lebensqualität eine Vorreiterrolle ein, besticht durch seine wissenschaftliche Leistungsfähigkeit und setzt weltweit Impulse im Umweltschutz.

Die europäischen Bürgerinnen und Bürger sind nicht nur durch Verträge und Regulierungen miteinander verbunden, sondern auch durch gemeinsame Werte, den Glauben an die multilaterale Zusammenarbeit sowie die Achtung demokratischer Institutionen und der Rechtsstaatlichkeit.

In einer Welt, die zunehmend in Richtung Autokratie abdriftet, ist Europas institutionelle Integrität ein bedeutender Vorteil. Sie macht Europa zu einem der attraktivsten Orte weltweit – zum Leben, Arbeiten und Investieren – und bietet Menschen und Unternehmen aus aller Welt Stabilität, Berechenbarkeit und Chancen.

Europas zentrales Problem ist nicht ein Mangel an Ideen oder Talenten. Es ist ein Mangel an Skalierung. Und Europa hat es selbst in der Hand, dies zu ändern.

Das 28. Regime bietet einen konkreten und wirkungsvollen Ansatz, um dieses Problem anzugehen – einen Rahmen, der Innovation ermöglicht, Unternehmen beim Wachstum unterstützt und die Produktivität steigert.

Indem es hilft, einen echten Binnenmarkt zu schaffen, kann eines gelingen: eine Marke „Made in Europe“ zu etablieren, die für Innovation, Exzellenz und Rechtssicherheit steht. Und genau dieses Narrativ muss Europa wieder für sich gewinnen.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Aufmerksamkeit.

  1. Europa legt seit Langem besonderen Wert auf Chancengleichheit. So tragen etwa niedrigere Studiengebühren und eine breite öffentliche Finanzierung dazu bei, dass das Bildungsniveau weniger stark vom Familieneinkommen abhängt. Dies sorgt dafür, dass frühere Lebensumstände spätere Ergebnisse in geringerem Ausmaß bestimmen, und erhöht die soziale Mobilität.

  2. S. Machado et al., Association between Wealth and Mortality in the United States and Europe, The New England Journal of Medicine, Bd. 392, Nr. 13, 2025, S. 1310-1319.

  3. Das BIP pro Kopf ist zwar nach wie vor eine wichtige Messgröße für den Lebensstandard, doch für die Beurteilung der Verhandlungsmacht gegenüber globalen Akteuren in der heutigen Weltwirtschaft ist die Gesamtgröße des Marktes – und damit das reale BIP – maßgeblich, sodass auch die Demografie eine entscheidende Rolle spielt.

  4. Eine ähnliche Beurteilung findet sich in Z. Darvas, The European Union’s remarkable growth performance relative to the United States, Bruegel, 29. Oktober 2023.

  5. Dabei wird von einem typischen Arbeitstag von acht Stunden ausgegangen. Im Jahr 2024 betrug die Differenz zwischen den Vereinigten Staaten und dem Euroraum bei den jährlichen geleisteten Arbeitsstunden je Beschäftigten 315 Stunden.

  6. In den Vereinigten Staaten zählt zurzeit ein etwas größerer Anteil der Bevölkerung (15 bis 74 Jahre) zur Erwerbsbevölkerung als im Euroraum. In den Vereinigten Staaten lag die Erwerbsquote im Dezember 2025 bei 68%, während sie im Euroraum im dritten Quartal 2025 66% betrug.

  7. Betrachtet man anstelle des BIP das Bruttonationaleinkommen, so schließt sich diese Lücke noch weiter, da der Euroraum mit seinen im Ausland gehaltenen Vermögenswerten erhebliche Einkünfte erzielt.

  8. World Inequality Database und T. Piketty, E. Saez und G. Zucman, Distributional National Accounts: Methods and Estimates for the United States, The Quarterly Journal of Economics, Bd. 133, Nr. 2, 2018, S. 553-609.

  9. Bei den Zahlen handelt es sich um das reale Median- und Durchschnittseinkommen pro Person in den Vereinigten Staaten im Jahr 2024.

  10. I. Schnabel, From laggard to leader? Closing the euro area’s technology gap, Vortrag zur Eröffnung des EMU Lab beim European University Institute, Florenz, 16. Februar 2024.

  11. M. Draghi, Die Zukunft der europäischen Wettbewerbsfähigkeit – Eine Strategie für die Wettbewerbsfähigkeit Europas, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, Luxemburg, September 2024.

  12. Viele europäische und globale Cloud-Anbieter betreiben Rechenzentren und Cloud-Infrastrukturen in Spanien. Das Land zieht zudem umfangreiche Investitionen in die Herstellung von Batterien für Elektrofahrzeuge an.

  13. Siehe auch M. Sandbu, Germany’s problems are worse than you think, Financial Times, 20. November 2025.

  14. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) ist die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Chinas in erheblichem Maß auf die starke Unterbewertung des chinesischen Renminbi zurückzuführen. Siehe IWF, External Sector Report, Juli 2025.

  15. Siehe T. Klug, E. Mayer und T. Schuler, The corporate saving glut and the current account in Germany, Working Paper Series der EZB, Nr. 2586, Frankfurt am Main, August 2021, und G. Wolff, Germany’s current account surplus and corporate investment, Bruegel, Blogbeitrag, 9. Mai 2018.

  16. Dies ist im Wesentlichen dasselbe Phänomen, das wir derzeit in China beobachten, außer dass der schwachen Binnennachfrage möglicherweise andere Faktoren zugrunde liegen. In China trägt der Zusammenbruch des Immobiliensektors maßgeblich zur schwachen Nachfrage bei.

  17. Europäische Kommission, In-Depth Review 2025: Germany, Institutional Papers, Nr. 307, Mai 2025.

  18. Institut der deutschen Wirtschaft, Hidden Champions: Die Starken aus der zweiten Reihe, September 2022.

  19. Elsevier, EU as a science innovator: Powered by the European Research Area, Oktober 2025.

  20. Aldasoro et al., AI Adoption, Productivity and Employment: Evidence from European Firms, CEPR Discussion Paper, Nr. 21082, Januar 2026, sowie D. Comin und B. Hobijn, An Exploration of Technology Diffusion, American Economic Review, Bd. 100, Nr. 5, 2010, S. 2031–2059.

  21. I. Schnabel, a. a. O., 2024.

  22. Siehe auch I. Schnabel, Der Stagnation entkommen: der Weg zu einem stärkeren Euroraum, Rede anlässlich der 19. Walter-Eucken-Vorlesung, Freiburg, 2. Oktober 2024.

  23. Diese Schätzungen sollten als Obergrenzen der bestehenden Barrieren angesehen werden. Sie deuten ein erhebliches ungenutztes Potenzial im Binnenmarkt hin. Siehe auch C. Lagarde, Von Widerstandsfähigkeit zu Stärke: nutzen wir das Potenzial unseres Binnenmarkts, Rede anlässlich des 35. Frankfurt European Banking Congress, Frankfurt am Main, 21. November 2025; R. Bernasconi, N. Cordemans, V. Gunnella, G. Pongetti und L. Quaglietti, What is the untapped potential of the EU Single Market?, EZB, Wirtschaftsbericht 8/2025, und Internationaler Währungsfonds, Europe’s Choice: Policies for Growth and Resilience, Presseartikel des IWF, 16. Dezember 2024.

  24. M. Draghi, a. a. O., 2024.

  25. Siehe auch E. Letta, Much more than a market: speed, security, solidarity, April 2024.

  26. U. von der Leyen, Special Address at the World Economic Forum, Davos, 20. Januar 2026, und EU-Inc.org, EU-Inc Policy Proposal: An industry blueprint for the upcoming 28th regime, Januar 2025.

  27. Eine Verordnung wird automatisch Teil des nationalen Rechts, ohne dass eine Umsetzung erforderlich ist. Eine Alternative könnte eine auf größtmögliche Harmonisierung ausgerichtete Richtlinie sein, in der stattdessen das vollständige Regelwerk festgelegt wird, sodass bei der Umsetzung keine Abweichungen zulässig sind.

  28. Im Laufe der Zeit könnte das Regime, sofern politisch erwünscht, hinsichtlich mehrerer Aspekte erweitert werden. Forschungsergebnisse zeigen beispielsweise, dass Investitionen in disruptive und risikoreiche Technologien sehr stark auf die Kosten eines Scheiterns reagieren, nicht nur auf die erwartete Rendite. Eine gezielte Lockerung der Kündigungsregelungen für Spitzenverdiener könnte daher wünschenswert sein, da Technologie-Start-ups häufig hoch qualifizierte und gut bezahlte Mitarbeiter beschäftigen. Siehe Y. Coatanlem und O. Coste, Cost of Failure and Competitiveness in Disruptive Innovation, IEP@BU Policy Briefs Series, Nr. 25, Bocconi University.

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