PRESSEMITTEILUNG

Eingehende Prüfung der EZB zeigt, dass die Banken weitere Massnahmen ergreifen müssen

26. Oktober 2014

Wichtigste Ergebnisse der umfassenden Bewertung der 130 größten Banken im Euro-Währungsgebiet:

  • Kapitallücke von 25 Mrd € bei 25 teilnehmenden Banken festgestellt
  • Korrektur der Bewertung von Bankaktiva um 48 Mrd € erforderlich, wovon 37 Mrd € nicht zur Kapitallücke beitrugen
  • Kapitallücke von 25 Mrd € und Wertberichtigung der Aktiva im Umfang von 37 Mrd € bedeutet eine Auswirkung von insgesamt 62 Mrd € auf die Banken
  • Zusätzliche 136 Mrd € bei den notleidenden Engagements identifiziert
  • Adverses Szenario würde zu Rückgang des Eigenkapitals der Banken um 263 Mrd € und des Medians der CET1-Quote um 4 Prozentpunkte von 12 % auf 8 % führen

Umfassende Bewertung sorgt für hohes Niveau an Transparenz, Einheitlichkeit und Gleichbehandlung.

Gründliche Prüfung ist ein Meilenstein für den Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism – SSM), der im November seine Arbeit aufnimmt.


Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute die Ergebnisse einer eingehenden Prüfung der Widerstandsfähigkeit und der Positionen der 130 größten Banken im Euro-Währungsgebiet veröffentlicht (Stand: 31. Dezember 2013). Die Prüfung erstreckte sich über ein Jahr.

„Diese einzigartige und strenge Bewertung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Einheitlichen Aufsichtsmechanismus, der seine Arbeit im November in vollem Umfang aufnehmen wird“, so Vítor Constâncio, Vizepräsident der EZB. „Diese beispiellose und eingehende Prüfung der Positionen der größten Banken wird das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Bankensektor deutlich stärken. Sie zeigt Probleme und Risiken auf und wird so zu einer Sanierung der Bilanzen beitragen und eine höhere Widerstandsfähigkeit und Solidität der Banken herstellen. Dies dürfte die Kreditvergabe in Europa fördern, was dem Wirtschaftswachstum zuträglich sein wird.“

Die umfassende Bewertung, die sich aus der Prüfung der Aktiva-Qualität (Asset Quality Review – AQR) und einem vorausschauenden Stresstest für die Banken zusammensetzte, deckte eine Kapitallücke von 25 Mrd € bei 25 Banken auf. Zwölf der 25 Banken haben ihre Kapitallücken bereits geschlossen, indem sie ihr Eigenkapital im Jahr 2014 um 15 Mrd € erhöhten. Banken, bei denen eine Kapitallücke festgestellt wurde, müssen binnen zwei Wochen nach Bekanntgabe der Ergebnisse Kapitalpläne vorlegen. Sie haben dann bis zu neun Monate Zeit, um die Kapitallücke zu schließen.

Die AQR ergab, dass zum Jahresende 2013 eine Korrektur des Buchwerts der Bankaktiva um 48 Mrd € erforderlich ist. Dies wird sich in den Abschlüssen der Banken oder den aufsichtsrechtlichen Anforderungen widerspiegeln. Bei Anwendung einer Standarddefinition für notleidende Engagements (Verbindlichkeiten, die 90 Tage überfällig sind, oder Engagements, die ausfallgefährdet oder bereits ausgefallen sind) zeigte sich zudem, dass die notleidenden Engagements der Banken um 136 Mrd € auf insgesamt 879 Mrd € zugenommen haben.

Der umfassenden Bewertung zufolge würde sich ferner in einem strikten Szenario das qualitativ beste und zur Verlustabsorption geeignete harte Kernkapital (Common Equity Tier 1 – CET1) der Banken – Messgröße der finanziellen Solidität einer Bank – um rund 263 Mrd € verringern. Dies hätte eine Abnahme des Medians der CET1-Quote um 4 Prozentpunkte von 12,4 % auf 8,3 % zur Folge. Der Rückgang fällt damit stärker aus als in vergleichbaren Untersuchungen der Vergangenheit, wodurch deutlich wird, welch strenger Maßstab in der umfassenden Bewertung angelegt wurde.

„Diese Bewertung ist ein sehr guter Start, und sie weist in die richtige Richtung. Sie verlangte von allen Beteiligten, einschließlich der nationalen Behörden der Länder des Euroraums und der EZB, außerordentliche Anstrengungen und einen erheblichen Ressourceneinsatz. Die umfassende Bewertung hat die Transparenz im Bankensektor erhöht und Bereiche bei Banken und im System aufgezeigt, in denen Verbesserungsbedarf besteht“, sagte Danièle Nouy, Vorsitzende des Aufsichtsgremiums. „Die umfassende Bewertung erlaubt uns einen länderübergreifenden Vergleich von Banken mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse werden uns bei der weiteren Entwicklung der Aufsicht wertvolle Dienste leisten.“

Seit Ankündigung der umfassenden Bewertung im Juli 2013 haben die größten 30 teilnehmenden Banken verschiedene Maßnahmen ergriffen, die zu einer Stärkung ihrer Bilanzen um insgesamt mehr als 200 Mrd € führten. Unter anderem wurde Eigenkapital in Höhe von 60 Mrd € aufgenommen. Diese vorgezogenen Maßnahmen sind Teil des Erfolgs, der mit der umfassenden Bewertung insgesamt erzielt wurde. Durch einige der 2013 ergriffenen Maßnahmen wurden die im Rahmen der Prüfung festgestellten Schwachstellen reduziert. Einige der 2014 ergriffenen Maßnahmen können gegebenenfalls bei der Schließung der Kapitallücken berücksichtigt werden.

Umfassende Bewertung

Die umfassende Bewertung, welche die beiden Komponenten AQR und Stresstest zusammenführte, zielte auf eine Stärkung der Bankbilanzen, eine Verbesserung der Transparenz und das Schaffen von Vertrauen ab. Die Aktiva der 130 untersuchten Banken beliefen sich auf 22 Billionen €. Dies entspricht 82 % der gesamten Bankaktiva im Euroraum. Der umfassenden Bewertung lagen die Eigenkapitalverordnung und die Eigenkapitalrichtlinie der Europäischen Union (CRR/CRD IV) in ihren jeweils aktuellen Fassungen zugrunde, die gewisse nationale Ermessensspielräume vorsehen. Diese nationalen Ermessensspielräume können zu Abweichungen führen, etwa bei der Definition von Kapital. Mit Auslaufen der in der betreffenden Verordnung vorgesehenen Übergangsregelungen werden diese Abweichungen jedoch in den nächsten Jahren allmählich zurückgehen. Die EZB ist sich bewusst, dass es einer einheitlicheren Definition von Kapital und im Zuge dessen einer einheitlicheren Qualität des Kapitals bedarf. Die EZB-Bankenaufsicht wird diese Frage mit Priorität behandeln.

AQR

Im Rahmen der von der EZB und den nationalen zuständigen Behörden (National Competent Authorities – NCAs) durchgeführten AQR wurde geprüft, ob die Aktiva in den Bankbilanzen zum 31. Dezember 2013 ordnungsgemäß bewertet wurden. Die AQR ermöglichte einen länderübergreifenden Vergleich der Banken, da anstatt der bis dahin divergierenden Konzepte bei der Beurteilung der Bilanzen harmonisierte Definitionen und eine einheitliche Methodik angewandt wurden. Mehr als 6 000 Experten aus dem gesamten Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism – SSM) unterzogen über 800 einzelne Portfolios einer eingehenden Prüfung, wobei sie unter anderem die Kreditqualität von 119 000 Schuldnern der Banken gründlich untersuchten. Diese Überprüfung liefert der EZB umfangreiche Informationen über die von ihr in Zukunft direkt beaufsichtigten Banken und wird ihr dabei helfen, gleiche Bedingungen für die künftige Aufsicht zu schaffen.

Stresstest

Der Stresstest wurde von den teilnehmenden Banken, der EZB und den NCAs in Zusammenarbeit mit der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (European Banking Authority – EBA) durchgeführt. Die EBA entwickelte auch die Methodik für den Stresstest, während das adverse Szenario vom Europäischen Ausschuss für Systemrisiken (European Systemic Risk Board ‒ ESRB) in Zusammenarbeit mit den NCAs, der EBA und der EZB erarbeitet wurde. Im Basisszenario und in der AQR mussten die Banken eine CET1-Quote von mindestens 8 % erfüllen, im adversen Szenario galt eine CET1-Quote von mindestens 5,5 %. Der Stresstest liefert keine Prognosen über zukünftige Ereignisse. Es handelt sich vielmehr um eine Aufsichtsmaßnahme, bei der die Widerstandsfähigkeit der Banken in einem schwierigeren Konjunkturumfeld geprüft wurde. Die teilnehmenden Banken wurden dabei zu konservativen Projektionen veranlasst, die dann nach strikten Vorgaben auf den Prüfstand gestellt wurden. Eine Neuerung bestand darin, dass Informationen aus der AQR in den als Ausgangsbasis dienenden Bankbilanzen und in den entsprechenden Stresstestprojektionen berücksichtigt wurden.

Veröffentlichung der Ergebnisse zu den einzelnen Banken

In den 130 Formblättern zu den einzelnen Banken unterscheidet die EZB zwischen Kapitallücken, die im Rahmen der AQR ermittelt wurden, und solchen, die sich aus dem Basisszenario und dem adversen Szenario des Stresstests ergaben. In der umfassenden Bewertung werden diese beiden Komponenten zusammengeführt. Die Formblätter enthalten auch wichtige zusätzliche Informationen zu den Banken, etwa in Bezug auf bereits 2014 begebene Kapitalinstrumente. Die vollständigen Ergebnisse des Stresstests werden auch von der EBA veröffentlicht. Der Ergebnisbericht zu den Gesamtergebnissen für alle Banken findet sich unter: www.ecb.europa.eu/ssm/assessment/html/index.en.html.

Medienanfragen sind an Frau Uta Harnischfeger unter +49 69 1344 6321 oder Herrn Ronan Sheridan unter +49 69 1344 7416 zu richten.

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