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Fünf Fakten, die Sie über die EZB wissen sollten

10. Juli 2015 (aktualisiert am 25. August 2021)

1. Wir sind eine europäische Institution und arbeiten für 340 Millionen Menschen

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist für den Euro zuständig, die Währung von 19 Ländern in Europa. Die EZB wurde 1998 als offizielle Institution der Europäischen Union gegründet und hat ihren Sitz in Frankfurt am Main.

Ihr vorrangiges Ziel ist es, die Preise in den Ländern, die den Euro als Währung verwenden, stabil zu halten. Sie tut dies, indem sie die Geldpolitik innerhalb des Eurosystems gestaltet und durchführt. Das Eurosystem besteht aus der EZB und den nationalen Zentralbanken der 19 Länder des Euroraums.

Die Beschlüsse der EZB wirken sich unmittelbar auf die Wirtschaft des Euroraums und damit auch auf das Leben seiner 340 Millionen Einwohner aus.

2. Unser Ziel sind stabile Preise im Euroraum

Das vorrangige Ziel der EZB ist die Preisstabilität. Das heißt, sie möchte die Preissteigerungsrate (Inflation) mittelfristig bei 2 % halten. Dabei steigen die Preise einerseits nicht so schnell, dass Ihre Ersparnisse im Laufe der Zeit immer weniger werden. Sie stagnieren andererseits auch nicht auf einem Niveau, bei dem die Preise zu sinken beginnen könnten (Deflation). Dies hätte zur Folge, dass die Menschen ihre Kaufvorhaben aufschieben. Das kann dazu führen, dass die Wirtschaft zum Stillstand kommt, Arbeitsplätze verloren gehen und die Preise noch stärker fallen – eine sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale.

Stabile Preise sind für Menschen und Unternehmen gleichermaßen wichtig, damit sie ihre künftigen Investitionen sicher planen können.

Wie andere Zentralbanken beeinflusst die EZB die Preise in der Regel durch die Festlegung des kurzfristigen Zinssatzes, zu dem sie Geschäftsbanken Geld leiht. Durch die Änderung dieses Zinssatzes versucht die EZB, das Volumen und die Kosten der Kredite zu beeinflussen, die über die Banken an die Unternehmen und privaten Haushalte, d. h. in die Wirtschaft insgesamt, fließen. Befindet sich die Wirtschaft im Abschwung und liegt die Inflation unter dem Ziel der EZB, so fördert ein niedriger Zinssatz (d. h. eine lockere Geldpolitik) die Vergabe von Krediten, da diese dann billiger werden. Dadurch wird die Nachfrage in der Wirtschaft insgesamt angeregt und die Inflation nähert sich im Laufe der Zeit wieder dem von der EZB anvisierten Ziel an. Ist die Wirtschaft überhitzt und überschreitet die Inflation das Ziel der EZB, so hat ein hoher Zinssatz (d. h. eine restriktive Geldpolitik) den gegenteiligen Effekt: die Kredite werden teurer, sodass sich Wirtschaft und Inflation abkühlen können.

Unsere Zinssätze sind nur eines von mehreren Instrumenten, die wir für unsere Geldpolitik nutzen. Man kann sich das Ganze als eine Art Werkzeugkasten vorstellen. Die darin enthaltenen Werkzeuge können einzeln eingesetzt oder aber miteinander kombiniert werden, um die Inflation zu steuern. In den letzten Jahren haben wir neue Instrumente in unseren Werkzeugkasten aufgenommen. Damit haben wir auf große Veränderungen in der Wirtschaft reagiert, die unsere Aufgabe, Preisstabilität zu gewährleisten, erschwert haben.

Ein Beispiel dafür sind die Ankäufe von Vermögenswerten. Sind die kurzfristigen Zinssätze bereits sehr niedrig oder negativ, kann eine Zentralbank versuchen, die Geldpolitik durch Senkung der langfristigen Zinssätze über den Ankauf von Vermögenswerten, wie zum Beispiel Staatsanleihen, weiter zu lockern. Sinkende langfristige Zinsen bewirken einen Abwärtsdruck auf die Kreditkosten für private Haushalte und Unternehmen. Zusätzlich wird Zentralbankgeld für den Kauf der Anleihen bereitgestellt. Diese Mittel werden dann von den Instituten, die die Anleihen verkaufen, zum Erwerb anderer Vermögenswerte verwendet. Dadurch steigt der Preis dieser Vermögenswerte und somit auch das Vermögen der Investoren, denen sie gehören, wodurch wiederum der Anreiz für weitere Investitionen verstärkt wird. So kann die Wirtschaft auf einen nachhaltigen Wachstumskurs und zu einer Inflationsrate zurückgeführt werden, die mit dem Ziel der EZB vereinbar ist.

3. Wir tragen dazu bei, dass der Bankensektor sicherer wird

Seit November 2014 hat die EZB zusätzlich die Aufgabe der direkten Beaufsichtigung der größten Banken im Euroraum übernommen. Im Rahmen des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus prüft sie zusammen mit den nationalen Aufsichtsbehörden die Geschäftstätigkeit von Banken. Sie kann Banklizenzen erteilen und entziehen sowie potenzielle Risiken frühzeitig erkennen und ihnen entgegenwirken.

Die Bankenaufsicht der EZB soll dafür sorgen, dass die Vorschriften in ganz Europa auf die gleiche Weise angewendet werden. Da die Banken in Europa eng miteinander verbunden sind, sorgt die harmonisierte Aufsicht für eine größere Stabilität des Bankensektors und stärkt somit das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger sowie der Unternehmen in diesen Sektor.

4. Wir sind eine unabhängige und rechenschaftspflichtige Institution

Die Aufgaben und Zuständigkeiten der EZB sind im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union festgelegt. Als supranationale Institution handelt die EZB im Interesse von ganz Europa. Als Zentralbank ist sie unabhängig von politischen oder kommerziellen Einflüssen. Das ist wichtig, da die Erfahrung zeigt, dass eine Zentralbank, die politischen Weisungen folgt, ihr eigentliches Ziel – die Gewährleistung von Preisstabilität – aus den Augen verlieren kann.

Dennoch ist die EZB rechenschaftspflichtig. Aus diesem Grund finden öffentliche Anhörungen zwischen Vertreterinnen und Vertretern der EZB (einschließlich ihres Präsidenten) und Mitgliedern des Europäischen Parlaments statt. Außerdem beschloss die EZB als eine der ersten großen Zentralbanken, unmittelbar nach geldpolitischen Beschlüssen regelmäßig eine Pressekonferenz abzuhalten.

Diese Beschlüsse werden im EZB-Rat, dem obersten Beschlussorgan der EZB, mit der Mehrheit der Stimmen gefasst. Der EZB-Rat besteht aus den sechs Direktoriumsmitgliedern der EZB und den 19 Präsidenten der nationalen Zentralbanken (wobei die insgesamt 15 Stimmrechte unter den 19 Zentralbankpräsidenten rotieren).

5. Wir sind für das Geld im Euroraum zuständig

Die Herstellung der Banknoten erfolgt in Produktionsstätten im gesamten Euroraum unter der Aufsicht der EZB. Jede Banknote trägt die Unterschrift des EZB-Präsidenten – diese steht symbolisch dafür, dass die EZB ihre Aufgabe mit Stolz erfüllt und die gemeinsame Währung uns zugleich alle miteinander verbindet. Der Euro ist das greifbarste Symbol der europäischen Integration. Er erleichtert den Handel und Geschäfte über Ländergrenzen hinweg. Auch das Reisen und das Alltagsleben der Menschen im Euroraum wird viel einfacher.

Aktualisiert im August 2021, um die Ergebnisse der Strategieüberprüfung 2020-2021 zu berücksichtigen.

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