Erinnerungsstätte

Grossmarkthalle, basement room Signal box
© Robert Metsch bbzl – böhm benfer zahiri landschaften städtebau, Berlin

KATZKAISER GbR, Köln

LOOC/M Architekten GbR, Frankfurt am Main

Deportationen zwischen 1941 und 1945

Mehr als 75 Jahre lang, bis zum Umzug des Großmarkts in den Stadtteil Kalbach im Jahr 2004, wurde in der Halle Obst und Gemüse für den Frankfurter Raum gehandelt. Zur langen Geschichte der Großmarkthalle gehört aber auch ein sehr düsteres Kapitel: von 1941 bis 1945 diente der Keller im östlichen Gebäudeteil als Sammelstelle für Judendeportationen; mehr als 10 000 Frankfurter Bürgerinnen und Bürger wurden von dort aus mit Zügen in Konzentrationslager transportiert.

Erinnern

Im Dezember 2001 kamen der damalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Dr. Willem F. Duisenberg, und der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurts, Dr. Salomon Korn, zusammen, um festzulegen, wie mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte des Gebäudes adäquat umgegangen werden kann. Gemeinsam entschieden sie, dass ein eigener Wettbewerb für die Schaffung eines „Kunstwerks“ ausgelobt werden sollte, das an diesen Teil der Vergangenheit der Großmarkthalle erinnern soll.

Informieren

Bei einem weiteren Treffen, das im November 2004 zwischen Dr. Salomon Korn, dem neuen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet und Petra Roth, der Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main, stattfand, wurde vereinbart, dass über eine Gedenkstätte hinaus nicht nur an die historischen Vorgänge erinnert, sondern auch über sie informiert werden soll.

Standort der Stätte

Um die Erinnerungsstätte so weit wie möglich öffentlich zugänglich zu halten, ist für diese ein Areal außerhalb des EZB-Geländes, im Bereich des GrünGürtels bzw. der östlichen Ruhrorter Werft, vorgesehen. Das zu sanierende Stellwerk unter der Eisenbahnbrücke an der Mayfahrtstraße kann ebenfalls in die Gestaltung der Erinnerungsstätte miteinbezogen werden, da von hier aus „die Weichen in die Vernichtung gestellt“ wurden (Auslobungstext).

Kellerräume

Ein Kellerraum im Untergeschoss der Großmarkthalle, der als Sammelraum vor der Deportation genutzt wurde, sowie eine zu diesem Keller führende Rampe werden bei der Sanierung der Großmarkthalle ausgespart und in ihrem jetzigen Zustand belassen.

Wettbewerb für die Erinnerungsstätte

Die Stadt Frankfurt am Main führte in enger Abstimmung mit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und der EZB einen Wettbewerb für eine Erinnerungsstätte durch. Am 28. Mai 2010 tagte das Preisgericht unter dem Vorsitz von Prof. Nikolaus Hirsch, Frankfurt am Main. Das Preisgericht beschloss einstimmig, drei gleichrangige Preise als Zweitplatzierungen und zwei Anerkennungen zu vergeben:

2. Preise:

  • bbzl – böhm benfer zahiri landschaften städtebau, Berlin
  • KATZKAISER GbR, Köln
  • LOOC/M Architekten GbR, Frankfurt am Main

Anerkennungen:

  • OP Architecture, Niels Petersen, Kopenhagen, Dänemark
  • Martin Ott und Matthias Marbes, Weimar

Die drei Zweitplatzierten wurden zu einer Überarbeitung ihrer Entwürfe aufgefordert.

Weitere Informationen zu den Wettbewerbsarbeiten sind auf der Website des Frankfurter Ostends veröffentlicht.