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  • Europäische Integration

    Die Entwicklung der europäischen Integration

    Mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) im Jahr 1952 wurden die ersten Weichen für die heutige Europäische Union (EU) gestellt. Die Gründungsmitglieder waren Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande. Ihr Ziel war es, den Staaten die Hoheit über die Ressourcen Kohle und Stahl, die in den Weltkriegen eine große Rolle gespielt hatten, zu entziehen, um dauerhaft Frieden zu bewahren.

    Von ihrem Erfolg ermutigt, beschlossen diese sechs Länder bald, weitere Bereiche ihrer Wirtschaft (wie z. B. die Landwirtschaft) zu integrieren, um Handelshemmnisse zu beseitigen und einen gemeinsamen Markt zu errichten. Im Jahr 1958 gründeten sie die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) sowie die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom). Die Institutionen dieser drei Gemeinschaften wurden im Jahr 1967 vereinigt. Im Laufe der Zeit traten in mehreren Beitrittsrunden weitere europäische Länder den damaligen Europäischen Gemeinschaften (EG) – bzw., seit dem Vertrag von Maastricht (1993), der Europäischen Union (EU) – bei.

    Der Vertrag von Lissabon, der eher ein Änderungs- als ein Verfassungsvertrag ist, trat am 1. Dezember 2009 in Kraft. Er ändert den Vertrag über die Europäische Union („Vertrag von Maastricht“) sowie den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft („Vertrag von Rom“) ab und schafft einen neuen institutionellen Rahmen, der zum Ziel hat, die Europäische Union demokratischer, transparenter und effizienter zu machen. Außerdem sollen durch ihn die Kohärenz und Sichtbarkeit des Handelns der EU auf der Weltbühne gestärkt werden.

    Integration bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Länder in vielen Angelegenheiten gemeinsame Entscheidungen treffen. So legen sie in äußerst unterschiedlichen Bereichen, die von Landwirtschaft über Kultur, Verbraucherschutz, Wettbewerb, Umweltschutz und Energie bis hin zu Verkehr und Handel reichen, eine gemeinsame politische Linie fest.

    Formell hätte der Binnenmarkt Ende 1993 vollendet sein sollen, doch in einigen Bereichen sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen; so steht z. B. die Schaffung eines wahrhaft einheitlichen Binnenmarkts für Finanzdienstleistungen noch aus.

    Quelle: www.europa.eu

    Weitere Informationen zum Vertrag von Lissabon sind abrufbar unter www.europa.eu/lisbon_treaty.

    EI.001 01/12

  • Europäische Integration

    Die Erweiterung der Europäischen Union

    1952: Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande

    Der erste Schritt im europäischen Integrationsprozess wurde 1952 vollzogen, als die angeführten sechs Länder einen gemeinsamen Markt für Kohle und Stahl errichteten. Das Ziel nach dem Zweiten Weltkrieg bestand darin, den Frieden zwischen den Nationen Europas zu sichern. Nun arbeiteten sie als gleichberechtigte Partner in gemeinsamen Institutionen zusammen.

    1973: Dänemark, Irland und das Vereinigte Königreich

    Dänemark, Irland und das Vereinigte Königreich beschlossen, sich den Europäischen Gemeinschaften anzuschließen, woraufhin ihnen die Mitgliedschaft gewährt wurde. Diese erste Erweiterung von sechs auf neun Mitgliedstaaten fand 1973 statt. Gleichzeitig übernahmen die Gemeinschaften neue Aufgaben und führten eine neue Sozial-, Regional- und Umweltpolitik ein.

    1981/1986: Griechenland, Spanien und Portugal

    Griechenland trat den Gemeinschaften 1981 bei, 1986 folgten Spanien und Portugal. Strukturprogramme, wie das erste Integrierte Mittelmeerprogramm (IMP), wurden eingeführt, um der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung in den damals zwölf Mitgliedstaaten entgegenzuwirken.

    1995: Österreich, Finnland und Schweden

    Diese drei Länder traten der EU am 1. Januar 1995 bei.

    2004: Die Tschechische Republik, Estland, Zypern, Lettland, Litauen, Ungarn, Malta, Polen, Slowenien und die Slowakei

    Diese zehn Länder wurden am 1. Mai 2004 EU-Mitgliedstaaten. Nie zuvor waren der europäischen Staatengemeinschaft so viele Länder gleichzeitig beigetreten.

    2007: Bulgarien und Rumänien

    Durch den Beitritt dieser beiden Länder am 1. Januar 2007 stieg die Anzahl der EU-Mitgliedstaaten auf 27.

    2013: Kroatien

    Nach der Unterzeichnung des EU-Beitrittsvertrags im Dezember 2011 und der Ratifizierung des Vertrags durch alle derzeitigen Mitgliedstaaten sowie durch das Land selbst wurde Kroatien am 1. Juli 2013 als 28. Mitgliedstaat in die Europäische Union aufgenommen.

    Beitrittskandidaten

    Diesen Status besitzen gegenwärtig Island, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Montenegro, Serbien und die Türkei. Albanien, Bosnien und Herzegowina sowie der Kosovo[1] sind potenzielle Beitrittskandidaten.

    Quelle: www.europa.eu


    [1]Gemäß der Definition der Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrats (UNSCR) vom 10. Juni 1999.

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  • Europäische Integration

    Die Vorbereitung der Wirtschafts- und Währungsunion

    In den Sechzigerjahren, als die europäische Integration auf wirtschaftlicher Ebene weiter voranschritt, kam der Gedanke auf, eine gemeinsame Währung zu schaffen.

    In den Verträgen war jedoch noch keine einheitliche Währung für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) vorgesehen. Zudem nahmen damals alle sechs EWG-Staaten an einem gut funktionierenden internationalen Währungssystem, dem Bretton-Woods-System, teil. Im Rahmen dieses Systems waren die Wechselkurse der Währungen fest, aber anpassungsfähig und blieben bis Mitte der Sechzigerjahre sowohl innerhalb der EWG als auch weltweit relativ stabil.

    Im Jahr 1969 legte die Europäische Kommission den sogenannten Barre-Plan vor, um den Gedanken einer einheitlichen Währung weiterzuverfolgen, da das Bretton-Woods-System immer mehr Anzeichen von Anspannung zeigte. Auf der Grundlage des Barre-Plans forderten die Staats- und Regierungschefs den Ministerrat auf, einen Plan zur Verwirklichung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) auszuarbeiten. Der daraus hervorgegangene Werner-Bericht, der 1970 veröffentlicht wurde, sah die stufenweise Schaffung der WWU bis 1980 vor. Dieser Prozess verlor jedoch angesichts beträchtlicher internationaler Währungsunruhen nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems in den frühen Siebzigerjahren und aufgrund des Drucks, der von den unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Reaktionen auf die wirtschaftlichen Schocks der damaligen Zeit – insbesondere die erste Ölkrise – ausging, an Dynamik.

    Um dieser Instabilität und der daraus resultierenden Wechselkursvolatilität zwischen den Währungen entgegenzuwirken, setzten die neun Mitgliedstaaten der damaligen EWG [1] im März 1979 den Prozess der währungspolitischen Zusammenarbeit mit der Gründung des Europäischen Währungssystems (EWS) erneut in Gang. Sein zentrales Element war der Wechselkursmechanismus (WKM), mit dem feste, aber anpassungsfähige Wechselkurse zwischen den Währungen der EWG-Mitgliedstaaten eingeführt wurden. Folglich waren Anpassungen der Geldpolitik und Wirtschaftspolitik als Mittel zur Erreichung von Wechselkursstabilität erforderlich. Im Rahmen des EWS gelang es den teilnehmenden Staaten, eine Region zu schaffen, in der zunehmend Geldwertstabilität herrschte und in der die Kapitalverkehrskontrollen nach und nach gelockert wurden.

    Ein weiterer Impuls für die Verwirklichung einer einheitlichen Währung und der WWU ging 1986 von der Verabschiedung der Einheitlichen Europäischen Akte aus. Diese Akte legte einen Zeitplan für die Einführung des Binnenmarkts fest und bekräftigte die Notwendigkeit der Schaffung einer Wirtschafts- und Währungsunion.

    Im Jahr 1988 bestätigte der Europäische Rat die Wirtschafts- und Währungsunion als ein zu verwirklichendes Ziel und beauftragte einen Ausschuss, dem Fachleute auf dem Gebiet der Geldpolitik, vornehmlich die Präsidenten der Zentralbanken der EG, angehörten, hierzu konkrete Schritte vorzuschlagen.

    In dem von diesem Gremium vorgelegten Delors-Bericht wurde empfohlen, die Wirtschafts- und Währungsunion in drei Stufen zu verwirklichen. Die rechtliche Grundlage für die WWU musste aber erst noch geschaffen werden. Der Bericht zog Verhandlungen nach sich, die in die Unterzeichnung des Vertrags über die Europäische Union am 7. Februar 1992 in Maastricht mündeten. Dieser „Vertrag von Maastricht“ begründete die Europäische Union (EU) und änderte die Gründungsverträge der Europäischen Gemeinschaften ab, indem ein neues Kapitel über die Wirtschafts- und Währungspolitik hinzugefügt wurde. Dieses neue Kapitel schuf die Grundlage für die WWU und gab ein Verfahren und einen Zeitplan für ihre Realisierung vor.


    [1] Belgien, Dänemark, die Bundesrepublik Deutschland, Irland, Frankreich, Italien, Luxemburg, die Niederlande und das Vereinigte Königreich

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  • Europäische Integration

    Die drei Stufen der Wirtschafts- und Währungsunion

    Die erste Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) begann am 1. Juli 1990. Sie stand vor allem im Zeichen des Abbaus sämtlicher Beschränkungen des freien Waren-, Personen-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs innerhalb der EU-Mitgliedstaaten.

    Die zweite Stufe begann mit der Gründung des Europäischen Währungsinstituts (EWI), der Vorgängerinstitution der Europäischen Zentralbank (EZB), am 1. Januar 1994. Die zweite Stufe diente technischen Vorarbeiten für die Schaffung der einheitlichen Währung, der Verstärkung der Haushaltsdisziplin und einer verstärkten Konvergenz der Wirtschafts- und Währungspolitik der EU-Mitgliedstaaten. Die EZB wurde im Juni 1998 errichtet und hatte somit ein halbes Jahr Zeit, um die Vorarbeiten des EWI umzusetzen.

    Am 1. Januar 1999 begann die dritte und letzte Stufe der WWU mit der unwiderruflichen Festlegung der Wechselkurse der Währungen der elf von Anfang an teilnehmenden Mitgliedstaaten sowie der Einführung des Euro als einheitliche Währung. Seit diesem Zeitpunkt ist der EZB-Rat für die Durchführung der einheitlichen Geldpolitik für das Euro-Währungsgebiet verantwortlich. Zuvor hatte der EU-Rat in der Zusammensetzung der Staats- und Regierungschefs im Mai 1998 bestätigt, dass insgesamt elf der 15 EU-Mitgliedstaaten – zum damaligen Zeitpunkt Belgien, Deutschland, Irland, Spanien, Frankreich, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Portugal und Finnland – die Kriterien für die Einführung der einheitlichen Währung erfüllten. Griechenland trat dem Euro-Währungsgebiet am 1. Januar 2001 bei.

    Die erste Umstellung auf den Euro war am 1. Januar 2002 mit der Einführung der Euro-Banknoten und -Münzen abgeschlossen. Im Januar 2007 wurde Slowenien zum 13. Mitgliedstaat des Euroraums. Am 1. Januar 2008 traten Zypern und Malta, am 1. Januar 2009 die Slowakei und am 1. Januar 2011 Estland dem Eurogebiet bei.

    Weitere Informationen zu den drei Stufen der WWU sind unter www.ecb.europa.eu/ecb/history/emu/html/index.de.html abrufbar.

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  • Europäische Integration

    Die Konvergenzkriterien

    Konvergenz sowie Wirtschafts- und Währungsunion

    Das Euro-Währungsgebiet wurde 1999 als ein Währungsraum errichtet, der zu Beginn elf der damals 15 EU-Mitgliedstaaten mit mehr als 300 Millionen Menschen umfasste. Im selben Jahr ging die Zuständigkeit für die Geldpolitik auf das Eurosystem[1] über, an dessen Spitze mit der EZB eine supranationale Institution steht. Eingebettet in ein europäisches Rahmenwerk, verblieb die Zuständigkeit für die Wirtschaftspolitik jedoch bei den teilnehmenden Mitgliedstaaten.

    Vor diesem Hintergrund waren dauerhafte Konvergenzbemühungen der einzelnen Mitgliedstaaten wichtig, um in Europa ein Umfeld der Preisstabilität zu schaffen. Die nationalen Wirtschaftspolitiken trugen dazu bei, die wirtschaftlichen Bedingungen im gesamten Eurogebiet einander anzugleichen. Die reibungslose Einführung des Euro war möglich, da sich bestimmte wirtschaftliche Eckdaten der betreffenden Länder an die besten bestehenden Referenzwerte angenähert hatten. Die wirtschaftliche Konvergenz erleichtert die Aufgabe der Geldpolitik, Preisstabilität im Eurogebiet zu gewährleisten und somit zu einem inflationsfreien Wachstum beizutragen. Mit Blick auf die Zukunft werden auch die EU-Mitgliedstaaten, die den Euro zu einem späteren Zeitpunkt einführen werden, verpflichtet sein, die Konvergenz ihrer Volkswirtschaften mit der Wirtschaft des Euroraums sicherzustellen.

    Die Konvergenzkriterien

    Um eine dauerhafte Konvergenz sicherzustellen, sind im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (Vertrag von Lissabon, AEUV) die Kriterien festgelegt, die jeder EU-Mitgliedstaat vor der Teilnahme an der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) erfüllen muss.

    • Es liegt für den Mitgliedstaat keine Ratsentscheidung vor, wonach er ein übermäßiges Defizit aufweist.
    • Der Mitgliedstaat muss eine anhaltende Preisstabilität und eine während des letzten Jahres vor der Prüfung gemessene durchschnittliche Inflationsrate aufweisen, die um nicht mehr als 1 ½ Prozentpunkte über der Inflationsrate jener – höchstens drei – Mitgliedstaaten liegt, die auf dem Gebiet der Preisstabilität das beste Ergebnis erzielt haben.
    • Der langfristige Nominalzinssatz des Mitgliedstaats darf nicht um mehr als 2 Prozentpunkte über dem entsprechenden Satz in jenen – höchstens drei – Mitgliedstaaten liegen, die auf dem Gebiet der Preisstabilität das beste Ergebnis erzielt haben.
    • Der Mitgliedstaat muss zumindest in den letzten zwei Jahren vor der Prüfung die im Rahmen des Wechselkursmechanismus vorgesehenen normalen Bandbreiten ohne starke Spannungen eingehalten haben.
    • Jeder Mitgliedstaat hat zu gewährleisten, dass seine innerstaatlichen Rechtsvorschriften, einschließlich der Satzung seiner nationalen Zentralbank (NZB), im Einklang mit Artikel 130 und 131 des Vertrags und mit der Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB-Satzung) stehen. Diese Verpflichtung, die für Mitgliedstaaten mit einer Ausnahmeregelung gilt, wird auch als „rechtliche Konvergenz“ bezeichnet.

    Die Konvergenzkriterien sollen sicherstellen, dass die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der WWU ausgeglichen ist und nicht zu Spannungen zwischen den EU-Mitgliedstaaten führt. Wichtig ist auch, dass die Kriterien hinsichtlich des öffentlichen Defizits und des öffentlichen Schuldenstands auch nach Beginn der dritten Stufe der WWU (1. Januar 1999) weiterhin erfüllt werden. Um dies zu erreichen, wurde vom Europäischen Rat in Amsterdam im Juni 1997 ein Stabilitäts- und Wachstumspakt verabschiedet.

    Nähere Informationen zu den Konvergenzkriterien sind abrufbar unter www.ecb.europa.eu/ecb/orga/escb/html/convergence-criteria.de.html.


    [1] Das Eurosystem ist das Zentralbankensystem des Euro-Währungsgebiets. Es setzt sich aus der EZB und den NZBen der Mitgliedstaaten, die den Euro in der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion eingeführt haben, zusammen.

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  • Europäische Integration

    Die Wirtschafts- und Währungsunion

    Die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) im Jahr 2013

    Von den derzeit 28 EU-Mitgliedstaaten haben 17 Länder – Belgien, Deutschland, Estland, Irland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Italien, Zypern, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich, Portugal, Slowenien, die Slowakei und Finnland – den Euro eingeführt und nehmen somit in vollem Umfang an der dritten Stufe der WWU teil.

    Zwei Mitgliedstaaten – Dänemark und das Vereinigte Königreich – besitzen einen Sonderstatus. Ihnen wurde in Protokollen, die dem Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (EG-Vertrag) beigefügt sind, ein Sonderrecht gewährt, das ihnen die Teilnahme an der dritten Stufe der WWU freistellt. Beide teilten dem EU-Rat mit (Dänemark im Jahr 1992 und das Vereinigte Königreich im Jahr 1997), dass sie nicht beabsichtigten, zur dritten Stufe überzugehen, d. h. dass sie bis auf Weiteres nicht wünschten, Teil des Euro-Währungsgebiets zu werden. Für die übrigen EU-Länder gilt derzeit eine „Ausnahmeregelung“. Dies bedeutet, dass ein Mitgliedstaat noch nicht die Voraussetzungen für die Einführung des Euro erfüllt und daher von einigen, aber nicht allen Bestimmungen, die im Normalfall ab Beginn der dritten Stufe der WWU gelten, ausgenommen ist. Hierzu zählen alle Bestimmungen, durch die die Verantwortung für die Geldpolitik auf den EZB-Rat übertragen wird.

    Konvergenzkriterien

    Länder, die den Euro als ihre Währung einführen wollen, müssen ein hohes Maß an „dauerhafter Konvergenz“ erreichen. Der Grad an Konvergenz wird auf der Grundlage mehrerer im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union enthaltener Kriterien beurteilt (siehe auch die Folie „Konvergenzkriterien“).

    Konvergenzberichte

    Mindestens alle zwei Jahre oder auf Antrag des betreffenden Mitgliedstaats berichten die Europäische Kommission und die EZB dem EU-Rat über die Fortschritte der „Mitgliedstaaten, für die eine Ausnahmeregelung gilt“. In diesen Berichten wird geprüft, ob ein hoher Grad an dauerhafter Konvergenz erreicht wurde; Maßstab hierfür ist, inwieweit die einzelnen Mitgliedstaaten die Konvergenzkriterien erfüllen.

    Darüber hinaus wird in den Berichten auch geprüft, inwieweit die innerstaatlichen Rechtsvorschriften der einzelnen Mitgliedstaaten, einschließlich der Satzung der jeweiligen nationalen Zentralbank, hinsichtlich der Zentralbankunabhängigkeit mit dem Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union vereinbar sind.

    Des Weiteren berücksichtigen die Konvergenzberichte auch die Integration der Märkte, den Stand und die Entwicklung der Leistungsbilanzen, die Entwicklung bei den Lohnstückkosten und andere Preisindizes.

    Der Rat der Wirtschafts- und Finanzminister (ECOFIN-Rat) entscheidet auf Vorschlag der Kommission und nach Anhörung des Europäischen Parlaments und nach Aussprache im EU-Rat, der in der Zusammensetzung der Staats- und Regierungschefs tagt, mit qualifizierter Mehrheit, welche der Mitgliedstaaten, für die eine Ausnahmeregelung gilt, die Konvergenzkriterien erfüllen. Bei erfolgreicher Beurteilung hebt der EU-Rat die Ausnahmeregelungen für die betreffenden Mitgliedstaaten auf, womit die letzten Weichen für ihre Mitgliedschaft im Euro-Währungsgebiet gestellt sind.

    Convergence criteria
    Convergence reports

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  • Europäische Integration

    Die Vorteile des Euro

    Die einheitliche Währung, die wir heute haben, ist im Grunde ein logischer Schritt auf dem Weg zur Vollendung des Binnenmarkts. Die Vorteile der einheitlichen Währung sind folgende:

    Niedrige Zinssätze aufgrund eines hohen Grades an Preisstabilität

    Die Durchführung der einheitlichen Geldpolitik durch das Eurosystem verläuft nach wie vor erfolgreich. Der Euro ist ebenso stabil wie die stärksten der zuvor in den Ländern des heutigen Eurogebiets verwendeten Währungen. Das Umfeld von Preisstabilität im Euroraum übt einen mäßigenden Einfluss auf die Preis- und Lohnbildung aus. Folglich können Inflationserwartungen und Inflationsrisikoprämien niedrig und stabil gehalten werden. Selbst in dem derzeit schwierigeren Umfeld war und ist die Preisstabilität im Eurogebiet nicht in Gefahr.

    Höhere Preistransparenz

    In allen Ländern des Eurogebiets kann mit dem gleichen Geld gezahlt werden, und somit ist das Reisen zwischen diesen Ländern einfacher geworden. Preistransparenz ist für Verbraucher gut, da der einfache Preisvergleich es ihnen beispielsweise ermöglicht, Autos beim günstigsten Anbieter im Euroraum zu kaufen. Daher hilft die durch die einheitliche Währung geschaffene Preistransparenz dem Eurosystem dabei, die Inflation unter Kontrolle zu halten. Durch den verstärkten Wettbewerb erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass verfügbare Ressourcen so effizient wie möglich genutzt werden und somit der Binnenhandel im Eurogebiet angekurbelt wird, was gleichzeitig die Beschäftigung und das Wachstum unterstützt.

    Wegfall der Transaktionskosten

    Mit der Einführung des Euro am 1. Januar 1999 fielen im Eurogebiet die Kosten für Devisengeschäfte weg. Dies ermöglicht beträchtliche Einsparungen:

    • beim Kauf und Verkauf von Fremdwährungen an den Devisenmärkten
    • bei der Absicherung gegen nachteilige Wechselkursbewegungen
    • bei den hohen Gebühren für grenzüberschreitende Zahlungen
    • beim Halten verschiedener Währungskonten (erschwerte Kontoführung)

    Keine Wechselkursschwankungen

    Mit der Einführung des Euro fielen Wechselkursschwankungen und dadurch auch Wechselkursrisiken innerhalb des Euro-Währungsgebiets weg. In der Vergangenheit behinderten diese Wechselkurskosten und -risiken den grenzüberschreitenden Handel und Wettbewerb.

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  • Die Finanzintegration im Euro-Währungsgebiet

    Als es den Euro noch nicht gab, waren die Finanzsysteme national, d. h. auf die jeweilige Landeswährung, ausgerichtet. Der Binnenmarkt und insbesondere die Einführung der gemeinsamen Währung zogen unweigerlich eine Vernetzung der Systeme nach sich. Trotz der jüngsten Herausforderungen sind die Finanzmärkte (z. B. die Geldmärkte) sowie die mit ihnen zusammenhängen Finanzinfrastrukturen (z. B. die Zahlungssysteme), heute integrierter als vor der Einführung des Euro. Auch Finanzinstitute haben über Grenzen hinweg ihre Kräfte gebündelt, entweder durch Fusionen oder durch die Einrichtung von Niederlassungen im Ausland.

    Auf die erste Vernetzung folgte in vielen Fällen eine wahrhafte Integration. So wurden z. B. die 15 nationalen Großbetragszahlungssysteme, die 1999 zu TARGET zusammengeschlossen worden waren, im Jahr 2008 durch ein technisch zentralisiertes, weitaus effizienteres System namens TARGET2 abgelöst. In bestimmten Bereichen besteht weiterhin Handlungsbedarf, zum Beispiel bei der Harmonisierung der Übertragung von Wertpapieren zwischen Verkäufern und Käufern innerhalb Europas. Hierzu wird TARGET2-Securities beitragen.

    Die allgemeinen wirtschaftlichen Vorteile der Finanzintegration

    Durch das größere und immer stärker integrierte Finanzsystem, das der Euroraum bildet, können Unternehmen wie auch Privatpersonen in höherem Maße von Größen- und Verbundvorteilen profitieren. Privaten Haushalten steht ein vielseitigeres Angebot an Finanzprodukten – z. B. Hypothekarkredite für den Erwerb von Wohneigentum – zu niedrigeren Kosten zur Verfügung. Somit steigert die Finanzintegration das Wachstumspotenzial.

    Warum die Finanzintegration für die Aufgaben der EZB von Bedeutung ist

    • Das Finanzsystem ist wichtig für die Durchführung der Geldpolitik im Eurogebiet, die Hauptaufgabe des Eurosystems. Ein gut integriertes Finanzsystem erleichtert die reibungslose Umsetzung der Geldpolitik und trägt zur ausgewogenen Transmission ihrer Auswirkungen im gesamten Eurogebiet bei.
    • Die Finanzintegration leistet zudem einen Beitrag zur Finanzstabilität, indem sie größere, liquidere und wettbewerbsfähigere Märkte schafft, die mehr Möglichkeiten zur Risikostreuung bieten.
    • Ferner spielt sie eine maßgebliche Rolle bei der Aufgabe des Eurosystems, das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme zu fördern, was wiederum im Hinblick auf das sichere und effiziente Funktionieren von Wertpapierclearing- und -abwicklungssystemen wesentlich ist.

    Der Beitrag der EZB

    Die EZB trägt auf vier Arten zur Finanzintegration bei:
    1. Beratung bei der Ausgestaltung des legislativen und regulatorischen Rahmens für das Finanzsystem sowie beim Erlassen von Vorschriften
    2. Wahrnehmung einer Katalysatorfunktion für die Finanzintegration: gemeinsam mit der Europäischen Kommission unterstützt die EZB die Märkte im Hinblick auf den einheitlichen Zahlungsverkehrsraum (SEPA) für Massenzahlungen. Ziel von SEPA ist es, dass bargeldlose Euro-Massenzahlungen innerhalb Europas ebenso schnell, günstig und sicher wie heutzutage auf nationaler Ebene getätigt werden können. Zu diesem Zweck werden technische, rechtliche und Marktbarrieren abgebaut und gemeinsame Zahlungsinstrumente, -praktiken und -standards eingeführt.
    3. Vertiefung des Wissens und Schärfung des Bewusstseins durch Überwachung der Entwicklung der Finanzintegration in Europa: auf der Grundlage umfangreicher Statistiken veröffentlicht die EZB jedes Jahr einen Bericht über die Finanzintegration in Europa.
    4. Bereitstellung von Zentralbankdienstleistungen, die ebenfalls die europäische Finanzintegration voranbringen. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise TARGET2 oder, mit Blick auf die Zukunft, TARGET2-Securities zu nennen.

    TARGET2 ist die erste auf europäischer Ebene voll integrierte und harmonisierte Marktinfrastruktur. Durch sie konnte die zuvor bestehende Fragmentierung beseitigt werden. Mit TARGET2 werden jeden Tag durchschnittlich über 350 000 Zahlungen im Wert von insgesamt tagesdurchschnittlich 2,4 Billionen € abgewickelt. Der Durchschnittswert einer einzelnen TARGET-Zahlung lag 2012 bei 7,1 Millionen €.

    Rund 1 000 Banken in 24 europäischen Ländern sind direkte TARGET2-Teilnehmer. Sie ermöglichen einer weitaus größeren Zahl von Banken den Zugang zu TARGET2, sodass rund 60 000 Banken weltweit Zahlungen über diese Infrastruktur veranlassen und empfangen können.

    Doch es gibt nicht nur Zahlungssysteme, mit denen Geld übertragen wird, sondern auch Systeme für die Übertragung von Wertpapieren.

    Ein solcher Service, der ab 2015 zur Verfügung stehen soll, ist TARGET2-Securities (T2S).

    T2S ist die künftige IT-Plattform für Abwicklungsdienste in Zentralbankgeld für nahezu alle in Europa gehandelten Wertpapiere. Das Eurosystem hat diese Plattform entwickelt und fungiert als Eigentümer und Betreiber. Grundlegendes Ziel des T2S-Projekts ist es, Europa für Anleger attraktiver zu machen. T2S wird zur Integration und Harmonisierung des stark fragmentierten europäischen Wertpapierabwicklungsmarkts führen. Die Kosten für grenzüberschreitende Wertpapierabwicklung in Europa sollen gesenkt werden und der Wettbewerb unter den Anbietern von Nachhandelsdienstleistungen soll gesteigert werden. Zudem werden die Marktteilnehmer von einem erheblich effizienteren Sicherheiteneinsatz profitieren.

    Ebenfalls in diesen Bereich fällt ein weiteres, von der EZB betriebenes Rahmenwerk, das sogenannte Korrespondenzzentralbank-Modell (Correspondent Central Banking Model, CCBM). Durch das CCBM ist es allen Banken im Euroraum seit 1999 möglich, Wertpapiere als Sicherheiten für Innertageskredite in TARGET2 oder geldpolitische Operationen des Eurosystems zu hinterlegen – unabhängig davon, wo innerhalb des Euroraums die Wertpapiere ausgegeben wurden.

    Report "Financial integration in Europe"
    SEPA
    TARGET2
    TARGET2-Securities
    CCBM

    EI.009 07/13

  • Europäische Integration

    Eckdaten des Euro-Währungsgebiets

    Vor der Errichtung der Währungsunion waren die einzelnen Länder des heutigen Euro-Währungsgebiets relativ kleine und offene Volkswirtschaften. Das Eurogebiet insgesamt bildet dagegen eine große, weitaus geschlossenere Volkswirtschaft. Aufgrund seiner Größe lässt es sich mit den Vereinigten Staaten vergleichen.

    Gemessen an der Bevölkerungszahl gehört das Eurogebiet mit einer Gesamtbevölkerung von 333 Millionen Menschen im Jahr 2012 zu den größten entwickelten Wirtschaftsräumen der Welt. Zum Vergleich: In den Vereinigten Staaten lebten zur gleichen Zeit 314 Millionen und in Japan 128 Millionen Menschen.

    Gemessen am Anteil am weltweiten Bruttoinlandsprodukt (BIP) war das Eurogebiet im Jahr 2012 mit 13,7 % nach den Vereinigten Staaten (18,9 %) der zweitgrößte Wirtschaftsraum der Welt mit gemeinsamer Währung. Japans Anteil betrug 5,6 %.

    Da die Wirtschaft des Eurogebiets insgesamt wesentlich weniger offen ist als die der einzelnen Länder des Euroraums, wirkt sich die Preisentwicklung außerhalb des Eurogebiets nur in begrenztem Umfang auf die Preise im Euroraum aus. Dennoch ist der Öffnungsgrad des Euro-Währungsgebiets höher als jener der Vereinigten Staaten oder Japans. Der Anteil der Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen am BIP des Euroraums lag im Jahr 2012 mit 26,8 % erheblich über den entsprechenden Zahlen für die Vereinigten Staaten (14,1 %) und Japan (15,4 %).

    Quellen: EZB, Eurostat, nationale Angaben, IWF und EZB-Berechnungen für das Euro-Währungsgebiet und die EU; nationale Quellen, IWF für die Vereinigten Staaten und Japan.

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